30 Okt

Florenz

Auch wenn es einige erschüttert, mich selbst mit eingeschlossen, fand ich Florenz nicht schön. Vielleicht habe ich mich zu sehr an die kleinen Dörfer und Gassen gewöhnt, dass Florenz so voll und groß für mich war.

Ich hatte eher das Gefühl ein Teil eines Flusses aus Menschen zu sein, der sich von einem Sightseening-Highlight zum anderen durch die Stadt zog. Doch ich wollte das nicht sein und obwohl es mir bewusst war, lief ich trotzallem mit. Schaute mir alles an und machte die üblichen Touristenfotos.DSCN1787

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Es hatte nichts persöniches. Nichts was mich mit dieser Stadt verbindet. Außer die Erinnerung, denn vor ca. 7 Jahren war ich schon einmal hier. Drängte mich über die überfüllte Fleischer- (jetzt Gold-)Brücke, um an Ende ein völlig überteuertes Eis zu essen. Doch das begegnet einen immer noch. Ganze Eistürme, die nicht gesund sein können, grinsen einen an. Florenz ist zu einer Touristenstadt VERkommen. Es macht mich traurig, weil ich mit einer anderen Vorstellung angereist bin.

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Vielleicht ein wenig zu viel von den dunklen Gassen und den miffigen Gerüchen, die ich nach dem Buch „Das Parfüm“ erwartet hätte. Doch ich wollte die Stadt mit ihrer Geschichte betrachten und habe gehofft, davon noch etwas zu finden. Doch zwischen all diesen Menschenmassen, sieht man nur noch die Bettler. Die es wahrscheinlich schon vor 100 Jahren gegeben hat.

Das was ich gesucht habe, auch wenn ich das selber nicht genau weiß, habe ich nicht gefunden. Doch ich wurde zum Beobachter der Touristen, die sich von einem Eis- Shop ins nächste Pizzarestaurant setzen und trotzallem behaupten können, sie waren in Florenz.

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29 Okt

Pakaschen- Workshop

Als ich von meiner Gastfamilie abgeholt wurde, hatte ich auch gleich das Glück auf einen Pakaschen- Workshop mitzugehen.

Es fand in einem kleinen Dorf statt, dass ca. 30 min Fahrtweg mit dem Auto von San Casciano entfernt war. Nach und nach trudelten immer mehr Menschen ein, sodass wir ca. 30 Personen waren. Man dürfte sich eine Pakaschen seiner Wahl aussuchen. Ich entschied mich für eine kleine, da ich den ganzen Tag einen 20 Kg- Rucksack geschleppt hatte. Die Vorstellung nun eine große Pakaschen vor dem Bauch zu tragen, machte mir innerliche Rückenschmerzen.

Wir bildeten einen Kreis, formatiert nach den Größen der Pakaschen und umringten somit unseren Lehrer. Dieser zeigte uns einen Wiegeschritt, den wir mit dem Trommeln immer  verbinden sollten. So bleiben wir im Takt für uns selbst und mit den Anderen.

Schon ging es los. Erst wurde ein normaler Vier-Takt gespielt, dann folgten Zwischenschläge. Nun begann jede Gruppe einen anderen Takt zu spielen und schon fanden wir uns in einem rhythmischen Trommelkonzert wieder. Wenn man sich umsah, könnte man grinsende Gesichter sehen, die sich an der Musik erfreuten. Aber auch versteinerte Mimiken, die es vorzogen sich auf ihren Rhythmus zu konzentrieren.

Mir war alles egal. Ich trommelte wie wild auf meine Pakaschen ein und tanzte dabei wild den Grundschritt mit.

Nach ca. 1 Stunden gabe es eine Essenspause. Mittleweile war es auch schon 20.30. Es wurde eine lange Tischreihe gebildet und alle setzten sich, um ihr mitgebrachtes Essen zu verspeisen. Ich aß ein wenig Käse von der Ziege, da ich momentan weder Gluten noch Milch von der Kuh zu mir nehmen darf.

Danach ging es weiter mit den rhythmischen Klängen, doch diesmal entschied ich mich für eine Rassel. Unser musisches Konzert ging noch bis in die Nacht. Ich weiß immer gar nicht wie die Italiener das machen. Schließlich müssen die am nächsten Tag wieder arbeiten. Vielleicht ist es die Lebensfreude die sie zu Nachtschwärmern macht.

29 Okt

Die neue Welt

Heute gegen 9.30 Uhr startet mein Bus nach Florenz. Schon seit ich vor 3 Wochen in Mailand ankam, habe ich mich innerlich auf die Abreise nach Florenz gefreut. Denn diese wunderschöne Stadt habe ich noch nie vorher gesehen.

Doch meine Laune würde gestern ein wenig getrübt, als mein Notfall- Handy auch seinen Geist aufgab. Irgendwie habe ich gerade eine Pechsträhne was technische Geräte angeht. Doch dieses Mal wurde es mir nicht von einem Kleinkriminellen entwendet und meine Fotos fallen niemand anderen zum Opfer.

Man glaubt gar nicht, wie unwohl man sich fühlt, wenn einem so ein technisches „Hilfsmittel“ abhanden/ entwendet wird.

Da stellt sich mir doch die Fragen: Was bedeutet ein Handy wirklich?

Als ich vor 2 Jahren mich entschieden habe auf ein Smartphone umzusteigen, geschah dass vorallem um „Whatsapp“ zu benutzen. Eine Plattform die es ermöglicht kostenfrei ( sofern ein Internetzugang möglich ist) mit Freunden und Familien Nachrichten zu verschicken und somit in Kontakt zu bleiben.  Voller Neugier eroberte ich mein neues Handy. Doch was ich nicht bemerkte ist, dass es auch mich eroberte und mehr und mehr in eine neue technische Welt zog.

Das erste Mal eckte ich dann bei meiner Mama am. Sie hat sich bewusst für ein Mobiltelefon entschieden und das auch eher mit Überwindung. Ich sah auf der Couch vertieft mit mein „Schatz“, der mir freundlich Nachrichten von meinen Freunden zukommen ließ. Gestört von den ständigen Brumm-Signal (Neue Nachricht von…), kam ein richtiges Gespräch nicht zu statten. Bis meine Mutter mich fragte: „Weißt du eigentlich wie viel Zeit du deine Handy schenkst?“

Zeit schenken… War für mich immer etwas sehr besonders. Denn das schönste Geschenk was man von Menschen erhalten kann, ist ihre Zeit und die Erlebnisse, die daraus entstehen. Doch was geschah: Ich saß neben einem geliebten Menschen und zog es vor, Nachrichten in mein Handy zu tippen an Menschen die nicht in meiner Nähe waren.

Die Abgewöhnungsphase war um so schwerer. In kürzester Zeit hatte ich mich an so viele Vorteile meines „Hilfsmittels“ gewöhnt. Es übernahm meine Terminplanung, meinen Freundeskreis und wie einfach war es „Google“ zu fragen, bevor man ein Buch aufschlägt. Vielleicht übernahm es auch schon mein denken?    Warum sollte man sich auf einen Kaffee treffen oder gemeinsam spazieren gehen, wenn man doch eine Nachricht: „Hey, wie geht’s?“ in kürzester Zeit verfassen kann? Doch irgendwas läuft daran doch schief. Denn spätestens wenn man jeden Abend allein zu Hause sitzt ( Mag das Handy brummen oder nicht, allein ist man trotzdem), findet eine Vereinsamung statt. Dann sind wir irgendwann nur noch kleine Inseln umgeben von einem großen Meer.

Genauso fühle ich mich jetzt. Abgeschnitten von der Außenwelt. Obwohl ich doch mittendrin bin!

Nun gut, wenn ich realistisch bin, bin ich in einer Smartphone- Hochburg. Hier ist das Handy nicht weg zu denken und ein ständiger Begleiter. Quasi der Liebhaber für unterwegs. Alles funktioniert hier über Internet. Die Städte wie Mailand, Torino und Co. bieten freies Wifi auf den Straßen an. Man ist also immer und überall erreichbar. Doch um in Trend zu bleiben, muss es auch immer das neuste sein!

Fazit: Für mich ist klar, dass ich ein Handy brauche und vielleicht auch ein Smartphone. Doch eins hat mir mein Lebensexperiment gezeigt, dass Handy kann und sollte niemals die Menschlichkeit und Nähe von geliebten Personen ersetzen. Doch darauf muss man gezielt achten. Denn es ist ein schleichender Prozess der uns vereinsamen lässt.

Augen AUF! Was will ich von diesem Moment?

25 Okt

Eine Geburtstagstorte kommt selten allein

Obwohl ich gestern Geburtstag hatte, gab es heute eine Überraschung. Sandra kam ziemlich früh aus Mailand zurück. So konnten wir gemeinsam überlegen, was wir mit unserer Zeit machen wollen. Giovanni erzählte mir von einem Park, doch zum Ende unserer Unterhaltung kristallierte sich heraus, dass wir es doch vorzogen in das „Pasticceria Martesana“ zu gehen.

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Martesana ist einer der angesagtesten „Dolce- Restaurant“ in Italien. Dabei wird auf die Qualität besonders viel Wert gelegt und das sieht man auch.

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Doch nicht nur die Süßigkeiten waren interessant sondern auch die Menschen die sie kauften. Nachdem wir alle ein wunderschönes Stück „Mousse au chocolat- torta“ genoßen hatten, gab es noch eine „Chocolata calda“ (Heiße dickflüssige Schokolade). Wenn man schon man hier ist, dann sollte man wenigstens mit dicken Bauch wieder rausgehen.

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Unsere überflüssigen Kalorien liefen wir dann im Zentrum von Mailand wieder da. Doch da! Dieses Eisgeschäft… 30 min. und 2 Eiskugeln (Kaki und Maronen, beide nicht so umwerfend) später ging es noch ein wenig in die Partymeile und dann wieder zurück nach Seregno.

Ergebnis: 1 Stück Mousse au chocolat Torta, 1 Chocolata calda, 2 Eiskugeln und Schokolade nach einen gesunden Salat

 

24 Okt

Mein Geburtstag

Schon ein Tag zuvor packte mich die Angst: Geburtstag und du bist ganz allein! Kein Geburtstagstisch! Keine Kerzen! Und vorallem keine Umarmungen!

Es gab wirklich keinen Geburtstagstisch und auch keine Umarmungen. Doch trotzallem war es ein schöner Tag, den ich ganz gemütlich begonnen habe. Zum Frühstück habe ich mir ein warmes Porridge aus Apfel, Weintauben und Kaki gemacht. Da ich gestern so viel Schokolade in mich hineingefuttert habe, musste ich meinen Magen erstmal ein wenig schonen.

Gegen 13 Uhr ist Giovanni mit mir zu einem kleinen Ort am Como See gefahren. Zwischendurch haben wir noch eine Freundin von ihm abgeholt, um gemeinsam in „Lecco“ mein Geburtstagskuchen zu essen. Dieser bestand dieses Jahr aus 3 Eiskugeln: Bitterschokolade, Herbe Schokolade und Pistazien. Was für ein Genuss und ganz im Sinne Italiens!

Danach sind wir zu einem, mir vorher unbekannten Wasserfall gefahren und mir blieb das Herz stehen vor so viel Schönheit. Es ist doch interessant wie klein man sich auf einmal vorkommt, wenn man so einem Naturschauspiel gegenüber steht. Wie viele Jahre mag der wohl schon auf dem Buckel haben?

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Und wäre ich mich so umsehe, bemerke ich was heute für ein wunderschöner Herbsttag ist. Genauso wie bei meiner Geburt. So hat es mir zumindestens meine Mama erzählt, die ja heute irgendwie auch Geburtstag hat. Also herzlichen Glückwunsch zum Tochtergeburtstag, meine liebe Mama!

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Aus ihrer Erzählung war der Tag meiner Geburt, am 24.10. vor vielen vielen Jahren, ein einzigartiger Tag. Meine Mama hatte mich im Arm und sah erschöpft, aber glücklich aus dem Fenster des Krankhauses Buch. Die Bäume hatten ihr Blätter schon eingefärbt und eins nach dem anderen tanzt langsam zu Boden. Die Sonne ging gerade auf und lies den Bäume leuchten in ihren schönsten Farben. Orange, Rot und Braun… die Farben begleiten mich seit jeher.

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Das Restaurant verfügte auch über eine Crotto mit Käseleiber. Da war meine Neugier ganz groß. Wie werden sie gemacht? Auf was muss man bei der Lagerung achten?

Den Tag ließen wir dann in einem kleinen Restaurant ausklingen. Für mich bestellte ich ein Risotto mit Kürbis. Was für ein Genuss und als Nachtisch gab es ein Creme Brulee. Doch das war ganz anders als ich es mir vorgestellt hatte. Später vergewisserte Giovanni mir, dass es kein orginal Creme Brulee war und so war ich erleichtert.

22 Okt

Das große „Nein“ und das kleine „Zweifeln“

Seitdem ich meinem Blog begonnen habe, habe ich mir immer eine Frage gestellt: Wie viel kannst du schreiben? Damit meine ich nicht Worte. Nein, es geht mir eher um die Erfahrungen und Erlebnisse, den ich auf meiner Reise begegne oder teilweise ausgesetzt bin. Für mich stand immer fest, dass ich meine Berichte ehrlich und hautnah verfassen will. Trotzallem wusste ich auch wer zu meinen Lesern gehört und das nicht alle ehrlichen Berichte gleichzeitig schön sind.

Gestern hatte ich dann die Möglichkeit über Skype ein Telefonat mit meiner Mama zu führen und sie ermutigte mich, auch von den unschönen Seiten meiner Reise zu berichten. Ja, dass ist das was ich will. Ein Bericht der alles beleuchtet und meinen Weg in einem fremden Land beschreibt.

In den 4 Monaten habe ich nicht nur schöne  Augenblicke erlebt, sondern auch schmerzhafte, traurige und Momente die mich verzweifeln ließen. Trotzallem kann ich voller Überzeugung und Vertrauen in meinen Weg  sagen, dass ich es nicht bereue. Genau deswegen habe ich mich entschieden, ab sofort nicht nur von schönen Sehenswürdigkeiten und kleinen Gassen zu berichten, sondern auch von den Gefühlen und Erlebnissen, wenn man alleine durch die Welt zieht.

Nach meiner ersten Farm vor 3 Monaten habe ich beschlossen, dass ich über Couchsurfing neue Städte bereisen möchte. Mir war im Vorhinein klar, welches Risiko ich eingehe. Doch über viele Gespräche mit Bekannten und Freunden, habe ich meinen Mut zusammen genommen und es probiert. In kürzester Zeit begegnete ich tollen Menschen, die mich auch jetzt noch begleiten. Ich hatte die Möglichkeit die Städte mit ihren in ihnen lebenden Menschen kennenzulernen.

Ich weiß nicht ob ich mit der Zeit zu Selbstsicher (Es wird schon nichts passieren) oder zu laissez würde.  Vielleicht bin ich über den Prozess des Couchsurfing naiv geworden.

Meine letzte Erfahrung bei Couchsurfen holte mich dann wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Nicht alle haben den Wunsch, einem Gast NUR die Stadt zu zeigen oder gemeinsam zu kochen. Es spielt ein anderer Gedanke im Hindergrund mit. Dessen war ich mir bis dahin unterschwellig bewusst. So kam es wie es kommen musste, einer der Couchsurfer versuchte sein Glück in der Nacht. Nach mehreren Ansagen, dass ich wirklich kein Interesse hatte, verließ ich den Raum.

Doch ich saß im „Irgendwo“und wusste auch nicht recht wo die nächste belebte Stadt war. So entschied ich mich es auszusitzen.

Am nächsten Morgen räumte mein Host meine Matraze von Boden, obwohl ich noch eine weitere Nacht bei ihn schlafen musste. Da ich bisher keinen anderen Host gefunden hatte und ein Hotel in Lecce zu teuer wäre. Doch auch nachdem ich ihn bat wieder die Matraze zurückzulegen, bot er mir an im Bett zu schlafen. Er würde woanders schlafen. Ich erklärte ihm, dass ich auf keinen Fall im Bett schlafen werde, da ich befürchtete das er es als Vorwand nahm, um den Platz teilen zu müssen.  Daraufhin sagte er mir, ich solle mir eine andere Unterkunft suchen. Ich war geschockt und wusste nicht wie es jetzt weiter gehen sollte. Wo sollte ich schlafen?

Ich bin alleine in einem mir nicht bekannten Land. Sollte ich nach Hause fahren? Ich hatte das Gefühl, zu schnell das Handtuch zu werfen und ich wollte mich von so einer Erfahrung nicht unterkriegen lassen. Doch ich hatte solche Sehnsucht nach einer Umarmung, ein Kuss auf die Stirn und ein Wort des Trostes.

Ich fand einen Schlafplatz bei einem anderen Couch-Host. Trotzallem reiste nun ein neues Gefühl der Angst und Hilflosigkeit mit.

Einige Menschen mit denen ich später darüber sprach, waren der Auffassung, dass es eine Normalität wäre. Eine Frau die alleine unterwegs ist, muss immer damit rechnen das ihr so etwas passiert. Ich stimme dem Teil zu, dass ich hätte damit rechnen müssen. Doch Normalität? So sind Männer halt? Das hört sich in meinen Ohren wie ein Freifahrtschein an, den es Männern ermöglicht das zu nehmen was sie wollen, weil sie ja Männer sind.

NEIN, ich will das nicht glauben. Zu viele nette Menschen sind mir auf meiner Reise begegnet. 70% davon Männer. Natürlich gibt es diesen „hoffentlich“ kleinen Anteil von Männern, die eine Gegenleistung für Unterkunft (und das vielleicht bezahlte Abendessen wollen).

Ganz oft habe ich seitdem darüber nachgedacht, welches mein Anteil an der Geschichte war. Ich weiß, dass ich ein offener, herzlicher und liebeswürdiger Mensch bin. Vielleicht kann das schnell falsch verstanden werden. Doch was ist die Schlussfolgerung? Muss ich immer kalt und zurückweisend sein, damit ich keine Angst vor einem Übergriff haben muss. So möchte ich nicht reisen. Ich möchte „Ich“ bleiben können.

Zwei Wochen später fand ich mich bei einer Ärztin wieder. Mein Ausschlag, den ich auf der Farm bekommen hatte, wollte nicht weggehen und wuchs zunehmend. Die Ärztin meinte mein Körper, wohl eher meine Psyche, befindet sich in einem emotionalen Schock. Nach einem kurzen Gespräch über meine letzten Erfahrungen, meinte sie ich müsse lernen „NEIN“ zu sagen.

Natürlich war mir das klar! Doch da war auch ein Gefühl den anderen nicht verletzen zu wollen. Der Host offnet seine Türen, um fremde Menschen bei sich übernachten zu lassen und schenkt seine Zeit dem Besucher. Ich möchte das wertschätzen und mich trotzdem beschützt fühlen, denn die nächsten Stunden manchmal auch Tage geht man eine gewisse Abhängigkeit zu diesem fremden Menschen ein.

Ich fand die Frage nach der Grenze jedoch viel bedeutsamer. Wo ist ein Lächeln, ein freundschaftliches zustimmen und wo ein anlocken mit Hintergedanken.  Für mich ist diese Grenze sehr verschwommen und schwer fassbar.

Für die nächste Zeit werde ich mich ohne Couchsurfen durchschlagen. Denn ich weiß, dass die Erfahrung noch zu früh ist, um ungefangen jemand anderen eine neue Change zu geben, mein Bild auf „Couchsurfing“ zu ändern.

20 Okt

Wieder hinauf zum Berg

Heute habe ich mir einen Ausflug gegönnt. Da die letzte Nacht wunderbar kalt war und ich sie in einem Halbschlaf verbracht habe, indem ich jedoch immernoch fähig war meinen kalten Körper zu spüren, habe ich mich entschlossen mich in Bewegung zu setzen. Ich bin in das zu Fuß 1,5 Stunde entfernte Como gelaufen und habe dort eine Zugbahn hinauf zur Bergspitze genommen. Brunate liegt nur 715 Meter über dem Meeresspiegel. Daher leben hier auch fast nur 1800 Einwohner. Trotzallem verfügt es über eine Aussichtspunkt der einem den Atem raubt. Von hoch oben kann man den ganzen Lago di Como erblicken mit all seinen kleinen Dörfern.

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Doch im 4. Jahrhundert vor Chr. wurde das Gebiet von den Kelten besiedelt. Heute habe sich dort gutbetuchte Geschäftsleute nieder gelassen und wunderschöne hingezaubert. Dadurch erscheint das Dorf nur noch mehr einer länger vergessenen Welt zu entstammen.

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Zurück bin ich dann wieder gelaufen. Habe aber leider den Wanderweg verpasst, was hieß das ich die ganze Strecke auf der Schnellstraße laufen musste. Das war nicht nur laut, sondern mir auch ein wenig zu gefährlich. Um so glücklich war ich, als ich das Schild „TORNO“ sah.

Von Katja und Veronica hatte ich erfahren, dass es am Ufer ein kleines Cafe gibt und das der Besitzer Berliner ist. So machte ich mich auf die Suche nach den Cafe, dass sich wenig später als eine Weinbar rausstellte. Ich unterhielt mich kurz mit den Eigentümer über Berlin, Italien und das Wetter und zog wieder von dannen.

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Da ich nun wusste, dass die Nacht kalt werden würde, sammelte ich große Steine auf dem Weg nach Hause ein. Diese erwärmte ich im kochenden Wasser und legte sie in mein Bett. Diese Nacht könnte ich mein gemütliches Bett genießen.

19 Okt

Vom Berg zum See

Gestern war mein letzter Tag in der „Crotto Piazzaga“ und es würde noch mal richtig voll. Der kleine Gastraum war überfüllt mit Menschengruppen und ein Durchkommen war kaum möglich. Irgendwie erinnerte mich das an meinen Auftritt als Engel zu Weihnachten. Die Diakonie hatte mich gefragt, ob ich nicht als Engel verkleidet bei der Weihnachtsfeier Spenden einsammeln möchte. Leider waren meine Flügel aber so riesig, dass ich überall aneckte und die meiste Zeit damit zubrachte mich zu entschuldigen. Trotzallem erinnere ich mich gerne zurück an diesen schönen Abend!

Handgemachte Pasta, Ravoli mit Hasenschenkeln und Rind fanden ihren Besitzer und schienen auf Wohlwollen zu treffen. Nach vielen Gesprächen, Lachen und dem letzten Stückchen Kuchen kehrte Ruhe ein. Nachdem wir mit allen schmutzigen Tellern, dem Boden wischen und dem Gläser putzen fertig waren, ging es ein letztes Mal zu Andreas zum Maronen essen. Da wir noch runter fahren mussten, machten wir uns gegen 21 Uhr auf dem Weg nach unten. Die Fahrt dauerte ca. ein halbe Stunde und war wie immer ein richtiges Abenteuer.

Katja und Veronica haben zugestimmt, dass ich bis zum 21.10 in ihrer Wohnung bleiben kann, jedoch gibt es dort keine Heizung, kein Internet und warm Wasser. Ein neues Abenteuer! Trotzdessen fühlte ich mich pudelwohl als ich die Wohnnug sah. Ich machte mir einen warmen Tee und sitzte mich ins Bett mit meinem Reisebuch und schrieb über meine letzten Erlebnisse. Als meine Augen zu müde würden, kam ich ihren Wunsch nach und schloss sie.

P.s.: Fotos kommen später.

18 Okt

Das Restaurant über den Wolken

Als ich heute morgen wach wurde, merkte ich alss erstes wie warm mein Körper war. Also hatte der Pullover und die neuen Socken von Mama ihre Arbeit getan (Danke!)

Schnell putzte ich mir die Zähne. Nicht nur weil es so kalt im Keller war, sondern weil ich wissen wollte wie das Haus, das Dorf und vorallem das Restaurant bei Tageslicht aussieht.

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Mir war nicht bewusst, wie klein das Haus wirklich war, indem ich die letzte Nacht verbracht hatte. Doch so verschmelzt es besser mit den winzigen Gassen des Dorfes „Torno“. Hier ist es nicht mehr möglich mit einem Auto hochzufahren. Daher muss man sich wohl überwinden die letzten Meter bei Fuß zu gehen.

Das Restaurant öffnet seine Türen für Wanderer und Besucher, doch nur mit vorhergehender Anmeldung.

So hatte ich heute das Glück, Veronica und Katja zu helfen eine Schulklasse von 24 Schülern und 4 Lehrern zu bekochen. Was für ein Durcheinander. Doch als das Essen (Pasta mit Tomatensoße) auf dem Tisch stand, wurden alle hungrigen Münder gefüllt und es kehrte Ruhe ein.

Eins der Kinder, war bei Wandern gestützt und 30 Meter den Berg runtergefallen. Die Wunde an ihrem Kopf und auch ihr Verhalten zeigte, dass es ihr nicht gut ging. Katja fuhr sie mit einer Lehrerin ins Krankenhaus.

Nachdem die Klasse ihren Heimweg angetreten war, ging es für uns ans Abwaschen, wischen und putzen. Danach knurrte mein Magen so sehr, dass ich mir Reis mit Tomatensoße und Leber gönnte. Und MAMA, ich muss leider zugeben, dass Leber immer noch nicht meins ist. Vielleicht in 5 Jahren.

Am nächsten Tag habe ich einen kleinen Spaziergang gemacht und musste feststellen, dass der Herbst uns überall umgibt und auch die Temperaturen lassen keinen Zweifel mehr zu, dass nun die kalte Jahrszeit beginnt.

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Abends haben wir uns gemütlich vor den Kamin gesetzt und eine neue Serie auf den USA („true detective“) gesehen.

 

 

15 Okt

Jeep- Safari

Gegen 16 Uhr sammelte mich Katja ein und sie fuhr mit mir in das innere Comos. Doch tauschten wir die Autos von einem kleinen Flitzer zu einem starken Jeep. Doch erst 30 Minuten später wurde mir die Bedeutung des „Bäumchen wechsel dich“ klar. Die Wegen wurden immer steiler und schwieriger. Durch den starken Regen über Italien hatte sich ein Fluss gebildet, der uns nun entgegen floß.

Der Motor heulte auf und ließ uns doch nie im Stich.

Als wir ankamen, legte sich schon die Nacht über uns. Sodass es mir nicht möglich war so viel von meiner Umgebung zu erkennen. Abends gab es eine Kürbissuppe, die sogar ich essen konnte. Keine Milch, Knoblauch oder Fleisch. Wunderbar!

Zum Abendessen gesellte sich auch Andreas zu uns. Er ist ein Nachbar und über die Zeit auch ein guter Freund von Katja und Veronica geworden. Nun saßen wir gemeinsam über unserer leckeren Suppe und kämpften mit den laufenden Nasen.

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Später gingen wir zu Andreas rüber, um dort Maronen zu rösten. Was für ein Abenteuer! Dazu gab es dann ausnahmsweise auch einen Film: Der Herr der Ringe.

Als wir langsam alle müde wurden, ging es nach Hause. Das „Wohnhaus“ ist winzig, aber völlig ausreichend. In ihm befinden sich vier Bett, eine Toilette im kalten Keller und ein Ofen für das ganze Haus. Was habe ich für ein Glück, als ich feststelle, dass ich das Bett ganz in der Nähe zum Ofen haben.

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Trotzallem befürchte ich ein wenig, dass die Nacht kalt wird und so mache ich mich nach einer Weile mit einem dicken Pullover.

Die nächsten 4 Tage werde ich also hier verbringen und hofeentlich alles über Pasta und Pizza lernen. Denn in dem Restaurant was Alessandro, Veronica und Katja führen steht „Homemade“ und „Slow Food“ noch ganz oben. Ich bin so glücklich, einen Einblick in die italienische Küche zu erhalten. Vorallem weil mir schon jetzt viele kleine aber interessante Unterschiede zur deutschen Küche auffallen.