21 Mrz

Ein besonderer Tag

Denn es fallen zwei große Events auf einen Tag. In Iran und damit in Shimas Heimatland wird heute: New- Year gefeiert.

Deswegen haben wir uns um 12 uhr in einem Restaurant in der Stadt getoffen. Die iranische Gruppe bestand aus 35 Personen, womit das Lokal erst einmal überfordert war. Denn es sind mehr Personen als angemeldet erschienen. Doch nach einer halben Stunde hatten alle einen Sitzplatz.

Zuvor hatten wir den traditionellen Tisch aufgebaut. Auf ihm werden sieben Dinge mit S symbolisiert.

Apfel (Sip) steht für die Liebe und Herzlichkeit.

Knoblauch (Sirr) symbolisiert die Gesundheit und das Wohlbefinden.

Mützen (Sekä) sind natürlich für den Wohlstand im nächste Jahr.

Süßes (Sa ma nu) dieses symbolisiert nicht nur Süßes, sondern Essen im allgemeinen und das sie uns etwas gutes tun soll.

Gewürz (Somaja)und Essig (Säkä) stehen für den feinen Geschmack und vorallem neue Geschmackserfahrung.

Blumen (Sonbohl) sind der Inbegriff für Schönheit und Eleganz.

Der Fisch (Mahi) ist jedoch auch ein wichtiger Bestandteil. Er befindet sich in  einem großen Glas und bewegt sich. In unseren Fall war es ein mechanischer Fisch, der uns Beweglichkeit in nächsten Jahr wünscht. Denn alles andere auf dem Tisch ist statisch.

Da der Fisch so wichtig ist, findet man ihn auch bei dem folgenden Gerichten:

Ein Salat mit Lachs:DSCN3198

gefolgt von einem Shrimps-Salat serviert in einer Muschel:

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Nach dem 5 Gänge- Menü hatten wir es eilig nach Hause zu kommen.

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Denn nun wartete das zweite „Highlight“ auf uns: Meine Abschlussfeier. Diesmal unter dem Motto : Germany- Iran- Meeting in Italy. Sodass Shima und ich uns entschieden haben, iranische und deutsche Gerichte zu präsentieren.

Gegen 21 Uhr waren alle da und so könnten  wir das Buffet eröffnen. Es gab eine deutsche Kartoffelsuppe und Kartoffel mit Spinat und Rührei, dass der Überflieger war. Ich liebte die Speisen von Shima: Basmatireis mit einer Nusssoße und verlorenen Eiern.

Giuseppe kam etwas später und überraschte uns mit Eis. Als hätte er mir diesen Wunsch von den Augen abgelesen. Ich finde es schade, dass ich nicht genug Zeit hatte um Giuseppe richtig kennenzulernen, aber um so mehr freue ich mich das er es zur Party geschafft hat.

Nachdem wir uns alle vollgefressen haben, platzieren sich alle Menschen die auf meiner Reise durch Italien ein Meilenstein für mich waren, für ein Foto. Es ist schwierig für mich, all diese wunderbaren Menschen einzufangen und zu wissen, dass ich morgen gehen werde.

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Da stellt sich mir die Frage, was hat mir diese Reise gebracht: Als ich vor 9 Monaten meine Sachen packte, war ich vor Angst gepackt. Nicht nur wegen einen neuen Land, sondern wegen der Zukunft. Was wird sie bringen? Werde ich auch erkranken, so wie alle Frauen in meiner Familie die Hürde nehmen mussten. Auch diese Angst hatte mich so gefesselt, dass sie es nicht mehr zuließ zu atmen. Sich einzureden: „Alles ist gut!“

Ich habe mich auf die Suche nach Lebendigkeit und Glück gemacht. Habe jedoch etwas ganz anderes gefunden. Erfahrungen die mich reifen lassen und mich über meine Vergangenheit steigen lassen. Ich kann sie nun von Außen betrachten und erst jetzt begreife ich wie wichtig es war, zu gehen!

Nicht alle Erfahrungen die ich machen durfte waren schön oder einfach, aber sie haben den Weg frei gemacht, um zu sagen: „Das Leben ist nicht berechenbar!“ Es wird immer Hürden geben, doch mit den gemachten Erfahrungen kann ich sie vielleicht besser überwinden. Vielleicht kann ich mir sagen, dass ich schon so viel geschafft habe, dass mich diese Herausforderung nicht aufhalten wird. Es hat mich freier gemacht, von dem Gedanken des Verlustes.

Meine Reise ist noch nicht am Ende und es mag sein, dass viele Menschen nicht verstehen können, warum ich nicht langsam zurück in meinen Beruf kehre oder auf die Suche nach einem Partner gehe. Doch ich bin auf der Suche nach etwas viel wichtigeres. Die Suche nach mir! Ich bin der Auffassung, dass man niemanden helfen kann, wenn man mit sich selbst nicht im Reinen ist. So ist die Entscheidung nicht schwer, den Weg nach vorne anzutreten und ein neues Land zu erkunden. In der Hoffnung, dass es mich über mich hinauswachsen lässt und mir Kraft gibt, die ich so sehr vermisst habe.

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15 Mrz

New- Year- Day?

Moment mal… war der denn nicht schon? Ja, in Deutschland habe ich in vor 3,5 Monaten schon gefeiert, doch im Iran steht er noch vor der Tür.

Da ich momentan mit zwei Iranerinnen zusammen lebe, darf ich das Neujahrsfest mit ihnen begehen. Doch erstmal kurz zu meiner Wohnsituation. Shima ist eine Freundin, die ich in letzten Jahr kennen und lieben gelernt habe. Sie wohnt in einer kleinen 30 qm- Wohnung an dem Fluss „Po“. Vor einem Monat erhielt sie einen Anruf mit einer Bitte. Maryam ist Iranerin und wartet in Italien auf ihre Medikamente. Schon bevor sie gefahren ist, hat sie sich um einen Schlafplatz gekümmert. Sodass als sie im Februar in Italien ankam, bei einem Mann und seiner Frau unterkam. Doch 2 Tage später, warf die Ehefrau des Mannes Maryam aus dem Haus. Sie saß als kranke junge Frau auf der Straße. Als Shima die Nachricht über Maryam erhielt, öffnete sie die Türen. Seitdem her wohnen die beiden Frauen zusammen.

Vor einer Woche kam ich auch noch mit dazu, sodass wir uns die Wohnung zu dritt teilen und man mag es vielleicht nicht glauben, aber ich genieße die Zeit hier. Wir kochen gemeinsam, plaudern über erlebtes und räumen jeden seinen Freiraum ein.

Zwar ist erst am 20.3 der „Silvester“- Abend, aber im Iran wird aus alter Tradition am letzten Dienstag im Jahr das Fest des Feuers gefeiert. Und so versammelten sich alle IranerInnen aus Turin und Menschen, die mit ihnen gemeinsam diesen wunderbaren Tag genießen wollten.

Im Innenhof ist schon ein großes Feuer am brennen. Das Feuer hat zweierlei Bedeutung: zum einen, soll alles gelbe aus dem Körper gezogen werden. Denn Gelb steht für die Krankheiten und die Traurigkeit, die wir mit uns herumtragen. Zum Anderen, ist es die Chance Rot aus dem Feuer zu erhaschen und damit die Leidenschaft und Glückseligkeit zu erlangen.

Ich empfang das Überspringen des Feuers als sehr belebend. Man spürt die Wärme, die einem an Bein packt und freut sich heile auf der anderen Seite angekommen zu sein. Wann macht man soetwas schon?

14 Mrz

Sonntagsbrunch

Am Sonntag wurde ich von Giuseppe zum Brunch eingeladen. Wir kennen uns über Couchsurfen und ich bin froh, dass er mich eingeladen hat. Der Brunch war als Überraschungsfeier für seinen besten Freund geplant. Der hatte vor ein paar Tagen seinen 24 Geburtstag!

Doch gerade deswegen machte es mich so traurig, dass ich es nicht pünktlich schaffte und sein verbrüfftes gesicht nicht gesehen habe.

Nach der Vorstellungsrunde führte mich Giuseppe zum Buffet. Ein reichgedeckter Tisch mit kleinen Pizzen, Süßigkeiten in Teigmantel und Pasta. Ich hätte mir ins Knie beißen können, weil ich diese Leckereien nicht probieren konnte. Giuseppe sah ebenso bestürzt aus, als ich ihm von meiner Glutenabstinenz erzählte. Mit einem herrlichen Salat setzte ich mich zu den Gästen und unterhielt mich mit ihnen über meine Reise. Da fällt mir doch auf, dass ich ganz schon lange unterwegs bin. Nach einer Weile kam Giuseppe auf mich zu, um mich zu fragen ob ich Nussmehl essen kann und keine 20 Minuten später hatte ich einen wunderbaren „Kuchen“ in meinen Händen.

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Die Stimmung war herzlich und man spürte, dass man gut aufgehoben war.  Gemeinsam spielten wir noch ein Spiel, bei dem ich peinlicher Weise total auf dem Schlauch stand. Aber es wurde mir nicht übel genommen.

Nach dem die Gäste gegangen waren, griffen Giuseppe und sein Freund noch zu ihren Instrumenten. Ich hatte das Glück, ihnen zuhören zu dürfen und mich von der Musik positiv beeinflussen zu lassen. Sodass ich mir einen Zettel und einen Stift nahm und anfing zu schreiben.

Giuseppe und ich rundeten den Abend mit einem Eis ab und spazierten durch die leeren Straßen Turins. Ich werde es vermissen… die Straßen von Turin, wie sie ihre Geschichte erzählen und dich in ihrer Welt willkommen heißen. Eine Welt die so viel ruhiger ist als die Berlins.

11 Mrz

Umzug

Die letzten Tage habe ich bei Sarah verbracht und meinst vor meinem Laptop, um die Berichte nachzutragen und euch zu erzählen, was auf meiner Reise so passiert ist. Da Sarah jedoch dieses Wochenende in die Berge fährt, haben wir uns entschieden, dass ich den Standort wechsel.

So steht heute der Umzug zu meiner Freundin Shima an. Shima habe ich im letzten Jahr kennengelernt und wir haben den Abend mit Gesprächen verbracht. Über die Zeit in Berlin blieben wir stätig im Kontakt und wissen uns beide zu schätzen. Ich freue mich sie wiederzusehen und packe meine Sachen.

Mit vollem Rucksack und einer Tasche mache ich mich auf den Weg zur Wohnung von Shima. Angekommen, öffnet mir eine Freundin von ihr die Tür. Maja kommt auch aus dem Iran und wartet hier auf ein Dokument, bevor sie das Land wieder verlassen kann. In der Zwischenzeit lebt sie bei Shima in der Wohnung. Ihr Mann und ihre Familie warten in ihrer Heimat auf sie. Maja ist sehr erkältet und man sieht ihr an, dass sie kraftlos ist. Sie wartet jetzt schon seit mehr als einem Monat auf diesen Schriftsatz, der im Normalfall 3 Tage benötigt. Wie sie das aushält, weiß ich nicht. Aber ich bewundere sie für die innerliche Ruhe.

Shima ist noch arbeiten und so verbringen wir die Zeit für ein erstes Kennenlernen und kochen. Als Shima die Tür aufschließt, ist die Freude groß. Wir drücken uns eine Ewigkeit und beim gemeinsamen Essen erzählen wir uns, was in der letzten Zeit alles passiert ist.

Da Shima sich entschieden hat, ihre Heizkosten einzusparen, ist es ziemlich frisch bei ihr. Doch mit genügend Kleidungsschichten ist das kein Problem mehr. Bevor wir ins Bett gehen machen wir uns alle drei einen „Boyfriend“. Das ist eine Glasflasche, die mit heißem Wasser gefüllt ist und uns in der Nacht wärmen soll. So kann man das mit Humor nehmen.

 

08 Mrz

Danke!

Gegen 6 Uhr bin ich wach geworden mit dem Gefühl, dass jemand an meiner Uhr gedreht haben muss. Wie konnte die Zeit hier, auf dieser wunderbaren Insel, so schnell vergehen?

Vor fast 3 Wochen bin ich auf die Farm gegangen. Habe Avocado-, Orangen-, und Zitronenbäume abgeerntet und mich dabei ein wenig verliebt. Nicht nur in die Natur, in einzigartige Pflanzen oder die Atmosphäre sondern auch in die Menschen, die das Land ausmachen.

Als Abschiedsgeschenk hat mir Cico das Holz- Ricotta- Förmchen überreicht, worüber ich mich riesig gefreut habe. Denn gerade der Ricotta, den ich zuvor nicht mochte, habe ich hier ganz besonders schätzen gelernt. Es wird ein schönes Erinnerungsstück für mich sein.

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Sarah gab mir noch ein paar Keramikgegenstände, die sie gekauft hatte, aber nicht mehr in ihren Rucksack bekam. In mir wuchs langsam der Zweifel, dass sie uns mit unseren Rucksäcken durchlassen würden. Nachdem wir das Auto abgegeben haben, ging es zur Gepäckkontrolle. Mein Rucksack wurde einmal gründlich durchgesichtet aber alles war schick. Als wir es geschafft hatten, zog Sarah ihre Hose ein wenig nach unten und zeigte mir damit das sie zwei Hosen anhatte. Wir lachten laut und betraten das Flugzeug.

In Turin angekommen, ging es schnurstracks zu Sarah nach Hause. Wir aßen Abendbrot und ließen uns früher als gewöhnlich ins Bett fallen.

07 Mrz

Was für eine Käserei…

Heute durfte ich mit Albino im Auto mit fahren und den Käse an die Leute verkaufen. Es machte mir Spaß zu sehen, an wen der Käse schlussendlich geht und so schließt sich der Kreis.

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Früh morgens um 4 Uhr wird die frische Molke in die Käserei gebracht und innerhalb von 2,5 Stunden erst einmal der frische Ricotta daraus gewonnen. Nun wird er in seinem Ricotta-Förmchen gefüllt. Damit sie nicht kalt werden, nutzt man Warmhalteboxen. Der warme Ricotta kommt nun schnellst möglich zu seinen Kunden. In der Fabrik den die Arbeit weiter. Aus dem Käsebruch werden die Caciocavallo oder Mozzarella verarbeitet und lagern in Wasserfässern.

Dieser Vorgang wiederholt sich zweimal täglich. Es gibt eine Milchlieferung in den frühen Morgenstunden und gegen 16 Uhr am Nachmittag. So ist immer etwas zu tun und der Ofen geht nie aus!

In der Zeit wo ich hier war, hat Cico einen neuen Käse entwickelt. Er ist ganz aromatisch und liegt vom Härtegrad zwischen Ricotta und frischen Caciocavallo. Ich war so froh, als erstes mit probieren zu dürfen. Da der bisher noch keinen Namen hat, nennen wir ihn momentan „New cheese“.

Als Abschluss unserer Tour fuhren mich Albino zu einem Bekannten. Der 85- jährige Italiener reist für sein Leben gerne und nimmt sich auch gerne etwas Pflanzen von seinem Urlaubsort mit. Sodass er jetzt Bananen und Papayas im Gewächshaus züchtet. Ich habe mir alles angesehen und war verbrüfft, dass sie doch so gut wachsen.

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Als Albino Fotos für mich schießen will, ist mir doch ein wenig grummelig zumute. War da nicht was mit der Spinne auf der … ok, dass war die Yucca Palme. Aber so ganz geheuer ist mir das dann doch nicht.

Gegen 15:30 Uhr fuhren wir ins „gli AROMI“ . Das vor 8 Jahren eröffnete Gewächshaus beschäftigt sich mit der Anpflanzen von Gewürzen und ungewöhnlichen Pflanzen. Dabei steht die Liebe zur Natur und Handarbeit (sowohl in der Küche als auch auf dem Feld) im Vordergrund.

Es war faszinierend wie viele verschiedene Gerüche und Geschmäcker ein Pflänzchen hervorbringen kann. Dabei verliert es aber nicht an Charm.

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Ich spaziere über die Felder und rieche mich überall durch. Es gibt Pflanzen die nach Curry riechen oder frisch aufgeschnittende Grapefruit. Doch das Aussehen gibt mir den Rest. Diese kleinen Häarchen und die dicken Blätter. Die sind so wahnsinnig flauschig!

Wieder andere sind so zart, dass die Sonne durch sie durchscheint oder besitzen eine eigenartige Blattform. Es ist wunderschön, die Vielfaltigkeit zu sehen und das es so etwas bezaubertes gibt.

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Eigentlich kann man den Besuch im „gli AROMI“ mit einem Essen oder einem Getränk abrunden, doch leider wird momentan umgebaut, sodass ich wohl irgendwann nochmal wiederkommen muss.

Als wir wieder zurück kommen auf die Farm, ist der große Augenblick gekommen: ICH DARF KÄSE MACHEN!

Zuerst fülle ich den frischen heißen Ricotta in alte Holzförmchen. Vor ein paar Jahren war es noch ganz üblich diese Hüttchen zu verwenden, doch eine neue Verordnung hat das geändert. Sodass ab da nur noch in Plastikförmchen gefüllt werden durfte, aus hygienischen Gründen. Deshalb musste sich Cico auch von seinen Holzschalen verabschieden, indem er den Käse ruhen lässt. Doch nun findet ein neues Umdenken statt und die Naturförmchen sind wieder im kommen. Da Cico alles weggegeben hat, trifft ihn diese Entwicklung noch mehr.

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Meine Ricotta-Förmchen müssen jetzt ruhen. In der Zwischenzeit schneide ich den Käsebruch zu…DSCN3039

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und gebe ihn in einen Topf mit heißen Wasser. Die Masse wird nun wieder weicher und Cico beginnt, den Teig zu kneten.Nach ein paar Minuten ist eine homogene Masse entstanden und er schneidet das erste Stück aus dem großen Leib.

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Als ich den Käseteig in die Hand nehme, freue ich mich über die Wärme. Ich beobachte Cico beim Formen des Caciocavallo und mache es ihm nach. Es gelingt mir und ich bin stolz auf meinen ersten eigenen Käse!

DSCN3058Da wir morgen nach Turin zurückfliegen, brauchen wir noch unsere Tickets. Giovanni (ein Freund von Albino) fährt mit uns in die Stadt, zu einem Schreibwarenladen. Doch als wir uns Online einchecken wollen, blockiert die Seite immer wieder. Giovanni macht einen neuen Plan und bringt uns zu einem Reisebüro. Es ist kurz vor 20 Uhr und die meisten Geschäfte stellen sich auf ihren Feierabend ein. Als wir ankommen, ist die Stimmung gelassen. Sarah hält wenige Minuten später ihr Ticket in der Hand. Bei mir dauert es etwas länger, weil es Probleme mit meiner Staatsangehörigkeit gibt. Doch nach angespannten 10 Minuten habe ich auch das Glück, mein Ticket schwarzweiß vor mir zu sehen.

Für unsere letzten Abend gehen wir nach Modica, wo es die beste Schokolade geben soll. In einem Geschäft probiere ich mich durch alle Sorten. Natürlich nur kleine Stücken! Aber leider müssen wir dann weiter, um mit Albino, Ambra (Albinos Freundin), Giovanni und Sarah in einem netten Restaurant zu essen. Es ist der letzte Abend und mir wird allmählich schwer ums Herz.

„Daheim“ angekommen, packe ich meinen Rucksack zusammen und versuche noch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen. Ob das morgen alles gut gehen wird?

06 Mrz

Käsebaby und Schokobaum

Mit unserem Mittagessen bewaffnet, fuhren wir früh am morgen in den 40 min. entfernte Ort, Caltagirone. Was diesen Ort so einzigartig macht ist eine Treppe die von Duomo- Piazza in die tiefenliegende Stadtmitte führt. Diese beiden Punkte sind durch wunderschöne Keramik- Stufen miteinander verbunden. Jede Stufe für sich weist ein neues Fließenmuster auf. Zu beiden Seiten der Treppe gibt es kleine Geschäfte, die ihre Keramik- Meisterstücke verkaufen wollen. Es verführt einen nahzu jeden dieser Lädchen zu durchstöbern. Der Ort ist bekannt für  seine Keramikproduktion und liegt damit günstig, im Zentrum der Insel. Sie verkörpert damit den sizilianischen Geist, was der Stadt nur zur Gute kommt. Denn so stehen viele der Gebäude unter Denkmalschutz.

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Unser Mittagessen nahmen wir auf einem Marktplatz in Ragusa ein und da wir beide so müde waren, legten wir uns nach einem vollgeschlagenen Bauch in ein sonniges Plätzchen. Nach einer Weile machte ich mich auf zu Kirche, die leider zu war. Sarah stieß zu mir und berichtete, dass sie im Halbschlaf gehört hatte, wie ein Junge seine Mutter fragte, ob diese Frau tod ist. Wir lachten vor uns hin und schlugen den Heimweg ein.

Zwar schauten wir immer wieder nach vertrockneten Kakteen, aber wir hatten kein Glück. Das Innere der grünen Blätter wird hier zu Lande als Schmuck weiterverarbeitet.

„Daheim“ angekommen, zeigte mir Albino seine Schatzkammer. Auch mein Herzschlag erhöhte sich, als ich die wunderbaren Käseleiber zu Gesicht bekam. Dort hing in aller Pracht die bekannten Caciocavallo Ragusano. Sie haben ihren Namen erhalten, weil die Käse- Quader zum Trocknen über einen massigen Balken gehangen werden. Ein Quader beträgt hierbei ca. 9-19 Kilogramm. Cico hat mir erklärt, dass pro Kilo der Käse ein Tag ruhen muss. Das bedeutet bei einem Käseleib von 18 Kilogramm, muss man 18 Tage warten bis man den Geschmack genießen darf. Ähnlich wie beim Caciovallo ist die Außenhülle goldig nach den ersten Stunden, wird jedoch je nach Reifungsgrad brauner. Manchen werden noch mit Kräutern oder Wein verfeiert.

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Käseleiber mit Weinkruste

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Ich möchte diesen Raum nie wieder verlassen. Als ich mich dann noch schweren herzens zum Ausgang zwinge, fällt mein Blick auf eine ausgetrocknete Banane. Moment mal, ist das überhaupt eine Banane? Albino fängt an zu lachen und erklärt mir, dass dieses die Hülsenfrucht von einem Johannisbrotbaum ist. Ich frage nach dem Geschmack und komme aus dem Staunen nicht mehr raus, als mir Carmela erzählt, es schmecke nach Schokolade. Das muss ich probieren.

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Ich habe die Schokoladenfrucht entdeckt

Zwar finde ich nicht, dass es dem Schokoladengeschmack gleich kommt. Aber diese Frucht ist etwas besonderes und hat einen sehr schweren Gschmack. Jedoch könnte ich die Kerne nicht probieren, da sie zu hart sind. Aber aus ihnen wird Trinkkakao gemacht. Was es alles gibt.

Abends fuhren wir nach Scicli rein, um dort eine Pizza zu füttern. Für mich gab es dann Caponata. Eine traditionelle Speise und sehr lecker.

 

05 Mrz

Fisch auf den Tisch!!

Mein erster Tag auf meinem Käse- Leben beginnt und ich bin ganz aufgeregt. In der Nacht musste ich einmal die Toilette besuchen und lernte beim durchqueren der Küche, den Vater von Albino und Cico kennen. Er fängt um 4 Uhr an zu arbeiten, bringt die Milch in die Käserei und füllt sie in dafür vorgesehende Fässer.

Gegen 8 Uhr wurde ich dann richtig wach und schaute, ob auch Sarah schon wach war. Ich liegte mich eine Weile zu ihr, wir erzählten uns wie die Nacht war und standen nach kurzer Zeit auf. Als wir drüben ankamen, wartete schon der frische heiße Ricotta auf uns. Aus einer großen Schale wird der salzige Frischkäse gelöffelt und verzauberte mich dabei in seinem Geschmack.

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Losgerissen von der Leckerei, machen wir uns auf den Weg zum Meer. Dort gibt es eine alte Ruine, die leider nicht unter Denkmalschutz steht und deshalb immer mehr verfällt. Doch um dort hin zu gelangen, laufen wir eine ganze Weile am Strand entlang.

Auf dem Weg begegen uns merkwürdige Bäume und Sarah erzählt mir, dass es eine bestimmte Aloe Vera Pflanze ist. Diese lebt so lange bis sie eine Blüte hervorbringt. In diesem Fall ist es dieser eigenwillige „Baum“. Das bedeutet wir befinden uns in einem Meer von toten Blüten.

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Doch es passt gut zu der Ruine, die sich nun vor uns erstreckt. DSCN2866

Zum Mittagessen sind wir dann wieder im Massaru, um dort mit Cico, seiner Freundin Carmela und seinem Vater zu essen. Neben dem Risotto gibt es auch diesmal Käse. Ich frage Cico, wie es sein kann, dass Mozzarella außen eine feste Hülle besitzt und innerlich mehr weich in der Konsistenz ist.

Die Erklärung:

Die Molke wird frisch in ein Behälter gefüllt und mit Lak versetzt. Was den Gerinnungsprozess bevorzugt und beschleunigt. Im Trennungsvorgang lösen sich feste von flüssigen Bestandteilen. Sie beginnt zu flocken. Die Verdickung dauert ca. 50-60 Minuten. Danach wird der feste Teig zerschnitten (Käsebruch), Salz zugeführt und in ein kleinen Topf mit heißem Wasser gegeben. Dort wird die Masse wieder warm und knetfähig. Nun wird die Mozzarella gestretchen, dabei wird sie immer wieder in die Länge gezogen. Wenn der Teig eine homogene Masse ist, wird er in die Hand genommen und durch Daumen und Finger zudrücken, zu einer Kugel geformt.

Im natürlichen Prozess lagert die Mozzarella nun im Wasser, wo ein Austausch stattfindet. Die weiße Kugel ziehen sich Flüssigkeit von dem umliegenden Wasser und geben dafür Salz ab.

Cico holt ein Mozzarella und schneidet sie in der Mitte durch. Ich muss feststellen, dass diese nicht innen weich ist. Sowohl außen als auch der Innenkern haben die gleiche feste Struktur. Cico erklärt mir, dass in der Industrie das nicht so gerne gesehen wird, sodass man sich entschieden hat, den Prozess durch zusetzen von Enzymen zu unterbrechen. So bleibt das innere weiterhin weich und saftig.

Nachdem ich um einiges Schlauer bin, besuchen wir das neue Haus von Cico und seiner Freundin. Seit gestern haben sie einen Hund. Den wir gleich ins Herz schließen.

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Das Haus verfügt über zwei Wohnungen. Die kleinere von beiden soll zu einer Ferienwohnung umgebaut werden.

Abends gibt es anlässlich unseres Besuchs ein Abendessen für 20 Personen. Stefano, ein bekannter Koch der Insel zaubert uns Leckerei aus den Tisch:

DSCN2942 Die Vorspeise bestand in einem Krakensalat, gefolgt von einem „Risotto di mare“. Abgerundet wurde das ganze durch gegrillten Fisch und einer süßen Nachspeise. Der Nachtisch ist eine ganz klassische Süßenkeit in Italien: Il Cannolo Siciliano. Das sind Teigröllchen mit verschiedenen Füllungen. Unsere waren mit Ricotta- und Schokoladenfüllung. Da ich die Teigröllchen nicht vertrag, gab es für mich Ricotta- Orangen-Creme. Auch sehr lecker.

04 Mrz

Käse, ich komme!!

Heute bin ich früh mit Piers Mama aus dem Haus, um den Gottesdienst zu besuchen. Die Familie ist sehr gläubisch und ich wollte mir gerne ein Bild davon machen, wie der Gottesdienst in Italien veranstaltet wird. Als wir ankamen, war der Raum schon von Gebeten erfüllt. Eine ältere Frau gab eine Zeile vor und die anderen antworteten ihr. Wenig später kam auch der Pfarrer (Pastor) und sprach ein paar Worte an die ca 20 Personen. Da die Kirche sehr klein war, konnte man ihn gut verstehen.

Zum Mittag scchwang Piers Mama den Kochlöffel und ich unterstützte sie dabei. Zwar sprach sie die ganze Zeit in szilianisch zu mir, aber durch ihre lebensfrohe Art, blieb es kein Rätzel für mich. Ich lernte in zwei Stunden so viel über Antischocken, Liebe zum Detail und Lebensglück. Es war nicht nur schön ihr über die Schulter zu sehen, sondern auch ihre Leidenschaft zu spüren. Das Highlight war das schlussendliche probieren. In der Zwischenzeit war auch Sarah zu uns gestoßen und wir konnten das Essen gemeinsam genießen.

Bevor Pier zur Arbeit ging, fuhr er uns zum Flughafen. Dort konnten wir unseren fahrbaren Untersatz für die nächsten 5 Tage abholen. Es wurde dann ein Fiat Panda und so fuhren wir, beide glücklich das wir uns endlich wiedersahen, durch die Landschaft. In einem kleinen Ort am Stand hielten wir an und liefen ein Stück die Straße runter. Sarah wollte mir gerne zeigen, was traditionell zum Frühstück gegessen wird: Granita mit Brioche.

Granita ist ähnlich wie ein Sorbet und ist in den verschiedenen Geschmacksrichtungen erhältlich. Das warme Brioche ist ein süßes Brötchen dazu. Da es das auch glutenfrei gab, konnte auch ich zuschlagen. Nun reißt man ein Teil des Brioche ab und nimmt damit das Granita auf. Beides zusammen muss schnellstens in den Mund. Nicht nur weil es lecker ist, sondern auch weil es schnell schmilzt. Wir haben uns für Lemon- und Mandelgranita entschieden und ich muss sagen, daran könnte ich mich gewöhnen.

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Nach einem kleinen Spaziergang am Strand ging es weiter auf Albinos Farm und ich war schon ganz aufgeregt. Endlich wollte ich den Ort kennenlernen, von dem Sarah schon so lange schwärmt. Albino war leider noch nicht da als wir ankamen, doch sein Bruder „Cico“ war fleißig am Käse herstellen. Schon allein ihm zuzusehen, machte mir große Freude. Wenig später lernte ich dann auch Albino kennen, der bis dahin mit dem Auto den Käse verkauft hat.

Alle zusammen nahmen wir Platz und aßen Salat, Omelett und natürlich Käse. Doch mein Bauch freute sich garnicht mit mir. Er war schon den Tage zuvor nicht gut drauf und so ging ich mit einem mulmigen Gefühl ins Bett. Nicht das ich hier etwas mit dem Magen kriegen würde, wo ich mir doch vorgenommen habe, ganz viel Käse zu essen.

Wir hatten zwar das Zelt im Haus von Albino aufgebaut, doch ich hatte das Glück in Mustafas (sein Lehrling) Bett zu schlafen, weil dieser nach Hause gefahren war. Da das Haus von Albino noch in den „Kinderschuhen“ steckt, gibt es noch keine Küche, Badezimmer oder Schlafmöglichkeiten. So hatte Sarah die schöne Idee im Zelt zu übernachten. Trotzdem war ich froh, im Bett mit zwei Pastikflaschen gefüllt mit heißem Wasser zu liegen.DSCN2856

03 Mrz

Abreise von der Farm

Gestern habe ich meinen „Day off“ bekommen. Da mir das Nirav nach dem Frühstück gesagt hatte, konnte ich zuvor nichts planen und blieb somit auf der Farm. Aber so konnte ich in aller Ruhe packen und meine letzten Vorbereitungen treffen. Als Abschiedsgeschenk wollte ich den Mädels Lemon Curd machen und versuchte  mich auch gleich an einem Orangen Curd. Zum abkühlen stellte ich sie in mein kühles Zimmer und auch als Überraschungseffekt.

Nachdem Mittagessen nutzen Véroque und ich die Chance und gingen zum Fluß runter. Die Sonne schien und unsere Gesprächsthemen waren interessant. Doch als ich wieder kam erwartete mich eine schreckliche Überraschung. Ich wollte gerade in mein Zimmer gehen, als mir einer der Welpen entgegen kam. Mit Schnellschritt lief ich in mein Zimmer und musste feststellen, dass meine Curds wohl so gut waren das die Hunde nicht wiederstehen konnten. Doch mich machte das wütend.

Die Mädels nahmen es mit Humor auf und Amilie zauberte mit Zenia einen Zitronenkuchen, der es in sich hatte. Zum Abendbrot gesellte sich noch die neue Wwooferin zu uns. Sie kommt aus New York und wird wahrscheinlich ein Monat bleiben. Nachdem Essen verabschiedete sich Nirav von uns, denn er wird für drei Tage zu einem Wwoofing-Treffen fahren. Wir genossen den Abend, spielten Karten und aßen süße Verführungen.

Da meine Nacht kurz war, hielt sich meine Laune an nächsten morgen in Maßen. Da Nirav die Saftpresse für sein Treffen mitgenommen hatte, presste ich für 8 Personen Orangensaft per Hand. Doch das Tiramisu ließ mich wieder selig werden. Zwar war meine Kekseschicht durch Haferflocken ersetzt worden, doch das tat dem Geschmack keinen Abriss.

Eigentlich wollte mich Pier abholen, doch er konnte die Adresse weder per GPS, Google oder Nachfragen bei Passanten finden. Diesen Ort gab es einfach nicht. Doch der Arbeitskollege, Filippo fuhr mich nach Paterno. Wo ich 2 Stunden als eigentlich verabredet Pier wiedersah. Es tat mir so leid, dass er wegen mir solche Rennereien hatte und hatte die Befürchtung, dass er wütend sein könnte. Aber keineswegs! Zwar ärgerte er sich über Nirav, jedoch freute er sich mich zu sehen. Es stellte sich raus, dass auch beim Anfangstreffen, Nirav nicht wollte, dass Pier die Adresse erhielt bzw. wusste wo er wohnt. Sehr merkwürdige Sache!

Doch Pier und ich machten uns auf den Weg zum Etna. Ganz oben angekommen stürmte ein Schneesturm, wie ich ihn schon lange nicht mehr gesehen hatte. Wir mussten darauf achten nicht weggepustet zu werden. Ich fand das so lustig und belebend, dass ich laut loslachen musste.

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Abends hatte ich endlich mal wieder die Möglichkeit mit meiner Mutter zu telefonieren. Es war so schön sie zu sehen, auch wenn sie schlechte Nachrichten für mich hatte. Meine Krankenversicherung schickte eine erneute Mahnung über 1006€ für den Zeitraum wo ich in Italien war. Ich hatte mich von Juli bis Dezember beitragsfrei stellen lassen. Doch als ich zurück kam und mich wieder anmeldete, bekam ich urplötzlich diese Zahlungsaufforderung. Erst dachte ich es sei ein Missverständnis, doch nun scheint es als meinten sie es ernst und drohnten mit rechtlichen Folgen. Mir rutschte mein Herz in die Hose. Was sollte ich jetzt machen? Traurig telefonierte ich mit meiner Mutter weiter, nachdem wir uns seit 3 Wochen nicht mehr gesehen hatten. Wie bei dem Telefonat abgemacht, setzte ich ein Schreiben auf, ging mit Pier zur Post und lies es per Schnellverfahren nach Deutschland senden (für 13€).

Beim Abendessen war ich wieder guter Dinge und versuchte mich im szilianisch. Denn Italien und Szilien sprechen zwei verschiedene Sprachen, sodass wie Piers Mama mir erzählt hat, Pier bis zu seinem 3. Lebensjahr kein italienisch verstanden hat. Sehr lustig! Doch kochen können beide sehr hervorragend und so gab es gefüllte Antischocken (Martin, dass hätte dir geschmeckt! Ich werde mich mal darin üben, wenn ich wieder in der Heimat bin).

Nach den Shrimps kletterte ich fröstelnd in mein Bett. Ich schlief wie ein Baby bis zum nächsten Morgen.