27 Feb

Schlechte Aura

Gestern habe ich es nochmal probiert und habe den Weg nach Paterno eingeschlagen. Marion blieb „Daheim“, weil sie sich um das Brot kümmern wollte. Auf der Farm wird täglich frisches Brot gebacken. Es ist wunderbar, weil dann ein leichter Brotduft durch die Räume zieht. Da Nirav sehr altes Korn verwendet, ist es für den Magen besser abbaubar. Doch ein einigen Versuchen und dem Gefühl danach, habe ich mich entschieden mich an dem Duft satt zu essen.

Auf dem Weg habe ich Musik von meinem Handy gehört, doch plötzlich ging es aus und auch nicht mehr an. Gottseidank hatte ich mein Notfallhandy dabei, sodass ich die Mails im Cafe checken und einen Gruß nach Hause senden konnte. Zwar war das Handy schon gebraucht, aber das es nach zwei Wochen den Geist aufgibt, ärgerte mich schon.

Früh am nächsten Morgen fuhren wir wieder zur Avocadoplantage. Als ich eine Nachricht an Pier versenden wollte, ging auch mein Notfallhandy aus und nicht mehr an… Was war denn hier los? Habe ich eine schlechte Aura? Oder ist es das Haus, indem kein Internet oder technische Geräte erwünscht sind?

Ich war fassungslos. Wie sollte ich nun im Notfall reagieren. Aber ich entschied mich, nicht weiter darüber nachzudenken. Denn das ist einer der Dinge über die man sich schrecklich aufregen kann und trotzdem nichts daran ändern kann.

Abends hatte ich dann die Zeit unsere Neuankömmling, Véronique (auch aus Frankreich) kennenzulernen. Wir machten gemeinsam „Gratin de ligumes“ bis plötzlich das Licht ausging. Überall stellten wir Kerzen auf und ich genoss die Ruhe, die damit einkehrte. Später fanden wir raus, dass es ein Problem der gesamten Straße ist und nicht nur unseres.

Nach 2 Stunden geht das Licht wieder an und wir entscheiden ins Bett zu gehen.

25 Feb

Nach dem Sturm…

Nachdem wir so viel Stress hatten in den Tagen zuvor, haben wir nun zwei Tage Entspannung. Leider hat Nirav uns den Tag nicht frei gegeben, sodass wir die Farm verlassen können und einen Ausflug zum Etna machen können. So saßen wir ein wenig orientierungslos in der Gegend rum und haben unsere Zeit mit den Welpen oder dem Haushalt verbracht.

Durch Amilie und Zenia ist ein neuer Wind aufgekommen. Wir kochen jetzt gemeinsam und tauschen unsere Rezepte aus. Langsam fühle ich mich wohler. Das liegt hauptsächlich an dem netten Miteinander, dass nun entsteht. Leider ist Sarah heute morgen zur nächsten Farm weitergereist. Dafür kam gestern Marion, aus Frankreich. Sie reist seit 3 Monaten durch Italien und wir kamen gleich ins Gespräch. Über das Reisen, die Heimat und die vielen schönen Momente, die wir eingefangen haben.

Gestern habe ich die verbliebende Zeit mit Sarah genutzt, um traditionelle canadische Ohrringe zu nähen. Dabei werden kleine Glaskugeln auf einen Untergrund genäht und dann zu dem jeweiligen Schmuckstück weiterverarbeitet.

 

Sarah kommt aus Canada und hat ihre Heimat im Blut. Nicht nur das Herstellen von Schmuck, sondern auch das Singen von alten Liedern. Bevor sie abgereist ist hat sie uns ein Lied auf der Trommel gespielt und dazu gesungen. Es handelte von dem Weg nach „Hause“, zurück in die Heimat. Ich hörte ihren Klängen zu und genoß, dass ich jetzt hier bin. Denn auch wenn ich weitweg bin, bin ich doch immer auf dem Weg in meine Heimat. Ob psychischer oder geografischer Natur.

Am Nachmittag haben Marion und ich, uns vorgenommen in die Stadt zu „klettern“. Die Schräge der Straße gleicht der Erklimmung eines Gipfels. Doch als wir die Hälfte der Strecke geschafft hatten, waren auf einmal zwei Hunde der Farm bei uns und folgten uns, als wäre nichts gewesen. Weil wir nur noch 10 Minuten vor uns hatten, nahmen wir unseren Weg wieder auf. Doch als die erste befahrende Straße kam, wurde uns mulmig ums Herz. Die Hunde liefen vor die Autos und wir kassierten böse Blicke. Als wir den Marktpark erreichten, rief Marion Nirav an. Er vergewisserte uns, dass die Hunde sich in der Stadt auskannten und auch den Weg zurück wussten. Für mich war es wichtig, ein Restaurant aufzusuchen. Damit ich das Internet nutzen konnte, um meiner Familie bescheid zu geben, dass alles in Ordnung sei. Doch da mich immer eine Angst begleitete, dass einer der Hunde angefahren werden könnte, drehten wir um. Gefrustet und müde von dem Aufstieg, gingen wir zur „La Casa“ zurück.

22 Feb

Kisten für Europa

Seit zwei Tagen packen wir Kisten für Europa. Sonntag war die Arbeit wirklich anstrengend, aber auch interessant. Die Bestellung werden gemeinsam mit der Empfängeradresse und dem Absender auf ein Pappschild schrieben. Wenn ich also eine Bestellung bearbeiten will, dann nehme ich mir ein Schild:

Zum Beispiel:

  • 6 Tarcchino
  • 6 Sangonelli (beides sind Blutorangensorten)
  • 3 Pormelmo (Grapefruit)
  • 3 Zitrone
  • 5 Avocado
  • 5 Liter Öl

(die Zahlangaben sind immer die Kilomasse)

Beim Packen muss auf die Kisten geachtet werden. Entweder eine kleine mit einer großen Kiste oder zwei Medium. Andernfalls würde es die Richtlinien für Lieferungszustellungen überschreiten. Auch für das Gewicht gibt es eine Begrenzung. Es darf nie über 30 Kilo betragen und so bestand unsere Aufgabe, die Bestellung in die Kisten abzufüllen und zu prüfen, ob die Normen eingehalten werden.

Sarah ging es leider nicht so gut und so wollte ich mich schnell einarbeiten, damit sie sich ausruhen kann. Das gelang mir auch. Zwar unterliefen mir immer wieder kleine Fehler, aber die konnte ich schnell ausbügeln.

Es macht mir spaß alles zusammen zustellen und zu verpacken, doch das abwiegen ging mir ziemlich auf den Rücken. Naja, ich habe schon lange keine 30 Kilo mehr getragen.

Doch heute wurden nur noch die letzten Kisten verpackt und so hatte ich am Nachmittag Zeit zu putzen. Das Abendessen war seltsam, weil jeder für sich aß. Sarah schlief, ebenso wie Nirav. Fabio und ich saßen still neben einander und aßen, als Amilie und Zenia rein kamen. Sie kommen aus Dänemark und waren jetzt 10 Tage auf Szilien unterwegs. Davor haben sie schon 3 Wochen auf der Farm gearbeitet. Nun kamen sie zurück und erzählten sie es war. Ich spürte ich frischen Wind der den beiden ins Haus gefolgt war und freute mich darauf, sie morgen besser kennenzulernen.

21 Feb

Meine wahre Liebe: Avocadobäume!

Nachdem wir gegen 9 Uhr mit dem Frühstück fertig sind, geht es für mich an die Fütterung der Welpen, Hühner und vorallem der Gänse, 7. Irgendwie machen die mir doch ein wenig Angst, wenn sie so fauchend vor mir stehen. Zwar würde ich noch nie gebissen, aber es soll sehr schmerzhaft sein. Dieses Thema würde ich gerne überspringen.

Als ich fertig bin, geht es mit dem Auto auf das einstündig entfernte Landgut von Nirav. Zwar hat er es nur gepachtet, aber die Haupteinnahmequelle besteht aus diesem Land. Vorallem da es mehrere Avocadobäume beherbergt. Ich steige aus dem Auto, werde von der Sonne angestrahlt und stehe in einem Meer von Orangenfrüchten. In mir steigt das Verlangen auf, alle zu probieren und ich muss über diesen Gedanken lächeln. Filippo kommt uns entgegen und ich lerne den Arbeitskollegen von Nirav kennen. Gemeinsam im Entenschritt gehen wir einen kleinen Weg hinunter, der uns schnurstracks zu den Avocadobäumen führt. Der weg führt sich hinein in eine grüne Hülle aus Blättern. Hier sieht der Boden nur selten Sonne und doch glitzert es überall von kleinen Lichtstrahlen. Ich sehe hinauf und stelle voller Erfurcht fest, was mich so behütet. Die Avocadobäume ragen über 9 Meter in die Höhe und machen eine anmutige Verrenkung.

Für mich stellt sich die Frage, wie Nirav die Früchte ernten will. Doch da kommt die Leiter schon ins Spiel. Um die letzten Meter zu bewerkstelligen, benutzen Nirav und Filippo ein Scherenwerkzeug mit einer Länge von 2 Metern.

Nach und nach werde die lieblichen Früchte von dem Baum geschnitten. Unsere Aufgabe bestellt darin, alle gefallenden Früchte erst einmal zu zählen, bis der Bereich freigegeben ist. Andernfalls wäre die Verletzungsgefahr zu hoch. Nach der Freigabe dürfen wir (Sarah und ich) sie aufsammeln und in Kisten lagern.

Bevor es wieder nach Hause geht, müssen noch 10 Kisten Zitronen gefüllt werden und so machen Sarah und ich uns mit einer Schere auf, um die Zitronen zu ernten. Die Sonne scheint mir auf den Rücken und ein fruchtiger Mandarinenduft zieht übers Land. Er lässt mich in meinen Erinnerung schweben. Als ich mit Maria und Mama im Urlaub war. Ich muss noch sehr klein gewesen sein, aber ich kann mich noch daran erinnern, wie gerne wir frische Orangenfrüchte gepflückt und uns den Bauch damit vollgeschlagen haben. Wie schön diese Erinnerung für mich ist!

Auf dem Heimweg lädt uns Nirav auf eine Arancino ein. Das sind gefüllte Reisbällchen, die ausen ganz kross sind und innen z.b. eine Spinat-oder Tomaten- Mozzarellafüllung haben. Es ist einfach köstlich! Ich liebe Szilien.

20 Feb

Ein Duft von Orangen liegt in der Luft

Nachdem Frühstück machen Pier und ich uns auf den Weg in die Stadt. Es gibt so viel zu sehen, aber ich möchte auch nicht zuspät auf die Farm kommen. Pier führt mich zum Fischmarkt und ich komme aus dem staunen nicht mehr raus. So viele frische Fische und so eine belebende Stimmung. Die Verkäufer rufen wild durcheinander und presentieren ihre schönste Ware. Wir schlendern durch das muntere Gewusel.

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Auf dem großen „Piazza del duomo“ gegenüber der „Cattedrale di Sant´Agata“, wo jedes Jahr das große „festa di Santa“ gefeiert wird, nehmen wir einen Caffe zu uns. Zu diesem Fest versammeln sich tausende Menschen auf dem Platz und gemeinsam tragen sie die Statur des Sant´Agata durch die Stadtmauern. Dieses Fest gibt es nur die Szilien, Catania.

Gegen 15 Uhr treffen wir uns mit Nirav auf einem Parkplatz. Nirav ist der Farmbesitzer und ca. 55 Jahre alt. Seit mehr als 10 Jahren besitzt er nun diese Farm in der Nähe von Paterno. Ich verabschiede mich von Pier und wir verbleiben auf ein Treffen an meinem freien Tag. Gemeinsam mit Nirav fahren wir zur Farm, wo mich erstmal der Schlag trifft. Alles etwas unsortiert und grenzt an dreckig. Mein Zimmer liegt gegenüber vom Hauptgebäude, in der Remise. Ich habe das einzige Zimmer mit Holzofen, worüber ich sehr glücklich bin. Denn das Zimmer erscheint mir sehr kalt und zügig zu sein.

Nirav geht mit mir eine Runde über sein Land und um so mehr ich sehe, um so schöner wird der Ort. Die meisten Bäume sind Orangenbäume, jedoch hat er auch Zitronenbäume und baut Gemüse an, das aber nur zur Eigennutzung bestimmt ist.

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Als ich mein Bett 2-fach beziehen will, lerne ich Sarah kennen. Sie ist schon seit 3 Monaten auf der Farm und fühlt sich hier sehr wohl. Da mich Nirav gebeten hat, dass ich mich ab jetzt um die Welpen kümmern soll, schließe ich mich Sarah gleich an, um ihr über die Schulter zu sehen. Die Welpen sind jetzt 10 Wochen alt und lebensfroh unterwegs. Zwar ist die tägliche Fütterung eine Herausforderung aber es macht Spaß dem Gewusel zuzusehen.

Zum Abendbrot, nachdem ich es geschafft habe in meinem Ofen Feuer zu machen, sitzen wir alle zusammen. Nirav, Sarah, Fabio und ich. Fabio ist der derjenige, der am längsten hier lebt. Seit 6 Monaten unterstützt er Nirav bei seiner Arbeit. Es ist eine nette Runde, aber irgendwie kommt kein richtiges Gespräch zu stande. Sodass wir alle schweigend vor uns hin essen. Als ich zurück in mein Zimmer gehe, ziehe ich mir schnell eine lange Pyjamahose an und krieche in mein (noch) kaltes Bett.

19 Feb

Abflugstag

Heute geht es weiter und ich bin innerlich sehr nervös. Doch das legt sich als ich gegen 11:30 Uhr mit Mama das Haus verlasse, um zum Bahnhof zu gelangen. Plötzlich steigt in mir eine Neugier auf meine Reise auf und vermischt sich mit Glückseligkeit.

Eine Stunde später gehe ich im Schnellschritt zum Gate. Nach einem Sprengstoff-Test, darf ich passieren und gehe gleich durch zum Boarding. Im Flugzeug lerne ich Harold und seine Frau kennen. Beide kommen aus Leipzip und sind auch auf dem Weg nach Palermo, wo sie das Wochenende verbringen werden. Harold erzählt mir das er Ryanair sehr häufig nutzt und seit 1992 schon 72 Mal ein Flugzeug betreten hat. Er hat daraus eine wahre Meisterschaft entwickelt, indem er einzelne Flüge zu einer Tour verbindet und damit in Europa schon viel rum kam. Es ist schön zu sehen, wie seine Augen anfangen zu leuchten, wenn er über die neuste Flugstrecken spricht.

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Palermo erwartet mich mit warmen Wetter und mit einem vollen Bus auf den Weg in die Innenstadt. Doch damit nicht genug, denn von da aus muss ich noch einen weiteren Bus nehmen, der mich von Palermo nach Catania fährt. Spät am Abend komme ich an und laufe ein Stück die Straße runter, um Pier von seiner Arbeit abzuholen.  Pier ist ein Freund von Sarah und er hat mir angeboten bei ihm und seiner Familie zu übernachten. Was mich sehr erfreut, weil ich zum einen jemanden auf der „Insel“ kenne und nicht mitten in der Nacht in Catania festsitze. Er arbeitet in einem Hotel in der Stadt.

Ich warte eine Stunde bis seine Schicht endete und gemeinsam ging es zu seinem Familienhaus. Dort lernte ich seine Eltern kennen und warf mich, nach einem kurzen Smalltalk ins Bett.