05 Dez

Couch 3.

Nun rückt sie näher die Nacht bei Ali. Zwar ist er ein Mann aber  wir haben uns auf einen Kaffee getroffen und er scheint echt nett zu sein. Doch erst einmal treffe ich mich nach dem Lunch mit Loredana. Gemeinsam gehen wir auf den großen Obst- und Gemüsemarkt auf dem „Piazza Pastello“. Auch zur anbrechenden Winterzeit ist der größte Open-Air-Market Europas wunderschön. Erst jetzt fällt mir auf wie sehr ich diese Atmosphäre vermisst habe. Die Verkäufer rufen wild durcheinander, um auf ihre Waren aufmerksam zu machen und die vielbeschäftigten Käufer, eilen von einem Stand zum nächsten. Von dem ganzen durcheinander brauchen wir erst einmal eine warme Schokolade.

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Eine halbe Stunde später stößt ein Freund von Loredana (Davide) zu uns und darauf Ali, er sich entschlossen hat uns Gesellschaft zu leisten. Ich bin erleichtert das Loredana Ali kennenlernt. Eine ganze Weile sitzen wir noch im warmen und quatschen über Hinz und Kunz. Gegen den Abend hin entschließen wir uns zu Ali nach Hause zu gehen, um gemeinsam zu kochen. Als ich die Küche betrete fühle ich mich pudelwohl. Sie ist groß, geräumig und es befinden sich Töpfe und Pfannen in ihr. Ich schmeiße den Herd an und koche mit Loredana eine Curry-Pfanne. Als Dessert gibt es einen süßen Salat. Auch Ali hat noch eine Freundin eingeladen. Shima kommt genauso wie Ali aus dem Iran. Beide sind Englisch- Lehrer in Torino. Shima ist mir gleich sympathisch und so wird es ein wunderbarer Abend, mit dem Plan auch morgen zusammen zu Abend zu essen.

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Nachdem wir Shima nach Hause und Loredana und Davide zur Bahn gebraucht haben, geht es auch für uns nach Hause. Ich fühle mich wohl bei Ali und grinse vor mich hin, weil ich den Abend so genießen konnte.
04 Dez

Couch Nr. 2

Gegen 7.30 klingelte mein Wecker, da Sarah zu Arbeit musste und ich mit ihr das Haus verlassen habe. Bewaffnet mit Socken für meine Hände, zwei Schals und Proviant, stellte ich mich innerlich auf einen Tag in der Kälte ein.

Den Vormittag verbrachte ich mit einer Kirchen-Sightseeningtour. Als ich das erste Mal in Rom war, sagte man mir das ABC- Roms auf:

Rom am ersten Besuchertag: A Beautiful Cathedrale (Eine wunderschöne Kathedrale)           
nach 3 Tagen: Another Bloody Church (Noch eine blutige Kirche)

In Torino ist das ähnlich. Überall findet man Kathedralen und Kirchen. Doch ich bekomme nicht genug davon. Zu sehr mag ich den Augenblick bevor ich die Eingangstür öffne und eine neue Welt betrete.

Gegen abend finde ich mich auf den „Piazza Castello“ wieder, denn in Torino ist immer etwas los und so gibt es auch heute eine Zirkus-Show.

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Als ich ankomme, sehe ich schon die Seilakrobaten hoch in der Luft. Mit ihren Kostümen und den Tanzen am Seil verzaubern sie groß und klein. Doch wenig später muss ich schon los, um mich mit meiner heutigen Couchsurferin (Paola) zu treffen.

Nach dem wir eine Suppe in uns hineingelöffelt haben, gehen wir noch einmal raus in die Nacht. Auf einem bekannten Platz in Torino treffen wir uns mit Freunden von Paola. Um mich herum stehen sehr viele junge Leute mit Weinflaschen in der Hand und schon etwas angetrunken. Trotzdem ist die Stimmung angenehm und die Leute entspannt. Ich habe oft in Berlin das Gefühl, dass „betunken sein“ oft in pöbeln umschlägt und die Stimmung schnell kippen kann. Doch vielleicht sind die Italiener Alkohol mehr gewöhnt, schließlich gibt es zu Mahlzeiten auch gerne ein Glas Wein.

Trotz allem bin ich froh, als ich gegen halb eins im Bett, diesmal eine 2-Mann-Couch, liege.

03 Dez

Couchhoping

Also wird es wohl so sein, dass ich von einer Couch zur nächsten hüpfe bzw. surfe. Mal sehen, wie das wird. Einerseits stelle ich mir das sehr spannend vor, denn ich werde die unterschiedlichen Menschen kennenlernen und ein Einblick in ihr Leben für eine kurze Weile bekommen. Anderseits ist es anstrengend zu wissen, dass man morgen wieder umziehen muss. Zwar habe ich meinen Backpack- Rucksack bei Sarah gegen einen kleiner Wanderrucksack tauschen können, doch mit dem Laptop meine nötigsten Anziehklamotten und Waschzeug, kommt dann doch einiges zusammen.

Meine erste Couch bzw. Matraze bei Sarah war sehr schön. Gegen 21.45 Uhr haben wir uns am Porta Nuova getroffen und sind gemeinsam zu ihr nach Hause gelaufen. Sie wohnt mit 3 anderen Mädels in einer großräumigen Altbauwohnung. Nachdem ich meine Sachen abgelegt hatte, begannen wir mit kochen. Eine halbe Stunde später war die Pasta al dente und die Soße fertig. Sarahs selbsterfundene Tomaten- Oliven- Kapern-Soße war köstlich und schmeckte auch ohne Pasta überragend. Während wir so vor uns hin aßen, unterhielten wir uns übers Wandern und schmiedeten den Plan am Dienstag in die Berge zu fahren. Denn an diesem Tag ist in Italien ein religöser Feiertag, sodass auch Sarah frei hat.

Als wir unseren warmen Tee ausgetrunken hatten, stellten wir fest, dass es schon halb eins war. Jetzt aber schnell ins Bett. Mit 4 Decken übereinander kroch ich wenig später in meine kleine Höhle für diese Nacht. Es dauerte nicht lange bis mir die Augen zufielen.

03 Dez

Ein Schlafplatz, bitte!

Torino sollte mein Abschluss für meine Backpack-Reise durch Italien sein, stattdessen entpuppt es sich als Spießrutenlauf. Angekommen bin ich am Dienstag Nacht bzw. Mittwoch morgen um halb eins am Rande von Torino. Mein Host, ein Mann, wartete und hieß mich Willkommen. Das Bett war vorbereitet und ich musste nur noch hineinfallen. 

Nachdem ich in der Nacht kaum Schlaf gefunden hatte, weil es so kalt im Zimmer war und ich die ganze Zeit fror, machte ich mich auf in die Stadt. Als ich die Grand Madre im Nebel vor mir liegen sah, merkte ich wie Wehmut in mir aufstieg.
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Meine Reise ist fast vorbei! Das hier ist meine letzte Station und auch wenn ich mich riesig auf meine Familie und Freunde freue, spielt auch eine Furcht eine Rolle. Was wird mich Zuhause erwarten? 
Doch da war noch etwas anderes. Ich fühlte mich unwohl bei meinem männlichen Host. Obwohl er nett und hilfsbereit war! In meinem Kopf kehrten die Bilder von „der Nacht“ zurück. 
Wie kann ich auch von mir selbst erwarten, dass ich das „vergesse“. Giuseppe machte ein so netten Eindruck. Wir unterhielten uns über Gott und die Welt und nach drei Tagen fuhren wir zusammen an den Strand. Da wir in der Nähe seines Elternhauses waren, aßen wir mit seiner Familie gemeinsam Mittag. Er fragte mich, ob ich Lust hätte mit seinen Freunden abends gemeinsam zu kochen in dem Ferienhaus seiner Eltern. Das liegt etwas außerhalb der Stadt und hat ein wunderbaren Blick auf das Land. Danach würden wir zurück nach Lecce fahren, vergewisserte er mir und so war es für mich kein Problem. Doch der Abend wurde immer später, sodass er mir anbot, mich ins Gästebett zu legen. Wenn er zurückfährt, macht er mich wach. Ich war so müde, dass ich dankbar für das Angebot war. Doch dann stieg er ohne Vorwarnung mitten in der Nacht in MEIN Bett und begann mich anzufasst! Auch ein NEIN war für ihn unverständlich. Das mag daran gelegen haben, dass er bekifft war oder das er es nicht verstehen wollte.
Ich flüchtete in die Küche und versuchte zur Ruhe zu kommen. Mir war klar, dass ich fernab von einer Stadt war und nicht einfach gehen konnte. Also saß ich es aus! Ich wartete 3 Stunden bis er wach war und bat ihn zurück nach Lecce zu fahren. Was er dann auch tat. Ich wollte einfach nur raus! Aus der Situation… aus meiner Haut!
Eine Woche später sitze ich mit einem roten juckenden Rücken bei einer Ärztin, die mir mitteilt das mein Körper sich in einem emotionalen Schock befindet. Im Gespräch sagt sie mir, dass ich naiv  und zu gutgläubig bin. JA, VERDAMMT NOCHMAL! Ich glaube an das Gute im Menschen. Doch ist das der Grund warum ich solche Erfahrungen machen musste?
Eins ist auf jeden Fall klar, die Angst das mir das noch einmal passiert lähmt mich und lässt keinen freien Blick mehr auf die neue Situation zu. Für mich stand fest, dass ich nach einer neuen Möglichkeit schauen muss. 
Abends weiß ich dann das ich am nächsten Tag( Donnerstag) zu einem weiblichen Host umziehen werde. Ich freue mich und spüre zunehmend die Erleichterung. 
Nach einer zweiten kalten Nacht mit wenig Schlaf, mache ich mich mit meinem Rucksack auf zu einer Freundin ins Büro. Dort lasse ich meinen Backpack und gehe auf den offenen Obst- und Gemüsemarkt. Mit Äpfeln,Orangen, Möhren und einer Avocado komme ich zwei Stunden später wieder bei Loredana im Büro an. Aus der Avocado zaubere ich eine Creme und schon haben wir einen Dip für die Möhren. Unser Mittagessen ist fertig!
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Nachdem Gaumenschmaus bekomme ich eine Nachricht von Sarah (neue Hostin). Ich falle aus allen Wolken, denn sie teilt mir mit, dass sie mich nur heute hosten kann. Am Wochenende ist sie selbst nicht zu Hause, was bedeutet das ich mich wieder auf die Suche nach einem Schlafplatz machen muss. Ich bin müde! 
Loredana eilt mir zu Hilfe und gemeinsam schreiben wir Freunde an. 
Nun um 20:30 sitze ich bei McDonalds mit meinem Gepäck und muss noch eine Stunde auf Sarah warten. Ich weiß, dass ich morgen bei einer Freundin von Loredana schlafen kann. Danach ist es ungewiss. 
In diesen Momenten überlege ich, ob es gut war meine  Konfortzone zu verlassen. Alles aufzugeben und nun kein „Zuhause“ mehr zu haben, kein eigenes Bett. Sondern immer auf andere angewiesen zu sein.
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