30 Nov

Die heißen Quellen

Heute war ein besonderer Tag, wie sich beim Sonnenuntergang herausstellte. Da Magdalena seit einigen Tagen Kopfschmerzen hat, bat Elisa ihre Therapeutin Sophie ihr ein paar Übungen zur Entspannung der Tiefenmuskulatur zu zeigen. Ich hatte das Glück mit machen zu dürfen. Sophie erklärte uns, wieso Entspannungsübungen für die Muskulatur so wichtig ist. Denn durch tägliche Stresssituationen beginnt der Körper sich zu verkrampfen und zu erstarren. Um diesen Prozess entgegen zu wirken, ist es wichtig zum einen, ein Bewusstsein über das Körpergefühl zu erlangen und zum anderen, die richtigen Tricks bei der Hand zu haben.

Wir begannen unseren Körper langsam von rechts nach links zu wiegen und dabei gezielt auf die Atmung zu achten. Sophie stellte uns nun einer nach dem anderen die Frage: „Was fühlst du in deinem Körper?“
Es war sehr interessant, was in meinem Körper vor sich ging. Meine Hände und Füße waren kalt, aber in meinem Rumpf wurde es warm. Doch auch zu hören, was die anderen dabei empfanden war höchst faszinierend. Sophie führte uns nun durch die einzelnen Übungen, die in einer liegenden Entspannungsübung endete. Bei dieser Übung begann mein Körper wie wild an zu zittern, was ich als unangenehm empfand. Ich wollte meinen Körper das zittern nicht gestatten, weil ich das Gefühl hatte die Kontrolle über meinen Körper zu verlieren. Doch ich musste feststellen, dass ich fühlte wie er sich entspannte.
Nachdem alle aufgestanden waren, blieb ich noch ein wenig liegen. Ich hatte ein Knoten im Bauch. Als mich Sophie fragte, wie es mir geht, war meine Antwort: „Ich bin traurig“. Anstatt zu fragen warum, fragte sie:“Was würde passieren, wenn du diesem Gefühl nachgehst?“ „Ich würde weinen!“ Sie sah mich an und meinte: „Ok, ich bin hier und bleibe bei dir!“
Und dann rollten sie die Tränen, auf die ich so lange gewartet hatte. Tränen der Verzweiflung, der Angst und ich wusste das es die 18-jährige Johanna war, die dort weinte. Weinte weil ihre Welt zusammenbrach, weil auf einmal sich eine Angst in ihr Leben geschoben hatte. Angst, meine Mutter zu verlieren und alleine zu sein.
Mein ganzer Körper krümmte sich vor Schmerz. Ich hielt mir meinen Bauch bzw. Magen. Seit so langer Zeit habe ich Probleme mit dem Magen und versuche immer wieder verschiedene Ernährungsmethoden, doch das ging alles am Thema vorbei. Denn der Knoten, den ich nun so stark spürte, waren all die Erfahrungen, die ich aus Schmerz einfach runtergeschluckt hatte. All der Kummer den ich nicht zeigen wollte. Plötzlich hatte ich vor meinem innerlichen Augen ein Bild von einem Granatapfel, der sich öffnete. Im inneren ist er so blutrot und wunderschön.
Foto(7)
Nach 30 min. hatte sich mein Körper soweit beruhigt, dass ich wieder sicher auf meinen Beinen stand. Geholfen hatte dabei vielleicht auch die wunderbare Brennnesselsuppe. Nachdem wir alles von Mittagessen gespült hatten, beschlossen wir zu den „Hot Springs“ zu fahren. Denn auch Magdalena war aufgewühlt und so hatten wir beide Zeit unsere Seelen baumeln zu lassen. Den Sonnenuntergang beobachteten wir dann aus den heißen Quellen und genossen die Stille.
Foto 4
29 Nov

Oliven im Salzbad

Vielen Menschen (mich mit eingeschlossen) wissen nicht, dass Oliven vom Baum nicht essbar sind. Sie müssen weiterverarbeitet werden. Eine Möglichkeit ist hierbei das Pressen von Olivenöl. Doch möchte man die Oliven gerne am Tisch roh essen, so muss man einen anderen Weg einschlagen. Dafür müssen die Oliven zunächst gepflückt werden und dann in einen großen Topf oder Eimer gefüllt werden. Nun werden sie mit Wasser bedeckt. Manche verwenden Salzwasser, andere normales Trinkwasser. 

Foto 2

Täglich bis jeden zwei Tag muss nun das Wasser gewechselt werden und das für 1-1,5 Monate. Das ist ein ziemlicher Aufwand und lässt die Oliven gleich noch besser schmecken.
Foto 3
Bei Kauf von Oliven in Supermärkten sollte man darauf achten, dass man Oliven mit Kern nimmt. Denn die ohne Kern sind meist stark verarbeitet, um die Reifezeit zu verkürzen.
27 Nov

Rohkost-Kunst

Die letzte Zeit habe ich genutzt, um mich im Bereich Rohkost mehr zu informieren und auszuprobieren. Es macht ihr großen Spaß, all das neu erlernte umzusetzen und zu schauen, was daraus geworden ist. 

Foto 4

Rohkost-Suppe mit Spinatkugeln

Obwohl ich das auch auf meine ganze Reise beziehen kann. Wenn ich zurückschaue, habe ich in den letzten 6 Monaten so viel über Natur, Anbauen von Obst und Gemüse, gesunde Ernährung und als Überbegriff: Leben mit der Natur gelernt. Mit ausgerissenen Augen stelle ich nun fest, was wir eigentlich mit unseren Planeten tun und das dieses Verhalten nichts mit Achtung und beschützen zutun hat.
Durch meine Reise habe ich gelernt die Welt mit anderen Augen zu sehen. Sie wahrzunehmen mit den wunderbaren Dingen, die sie uns schenkt. Sei es ein Apfel, der so lange Zeit am Baum hängt, gereift durch die Sonne und das Wasser, dass ihm der Baum spendet. Oder ein Regenwurm der sich durch die Erde gräbt und dabei die Boden luftig und leicht macht. Und vorallem die Bienen, welch fleißige Arbeiterin sie doch sind! Nicht nur das sie die Bäume bestäuben, sondern sie produzieren nebenbei noch einen einzigartigen Honig, der alle Jahreszeiten wiederspiegelt.
Foto 1

Picture by Madgalena Drapala

Doch nun sehe ich überall nur noch Plastiktüten und Abfall auf den Straßen. Autobahnen die über Anbau-Felder führen und Menschen die ihr Obst und Gemüse sprühen, damit kein Kleintier rangeht.
Ich werde das Gefühl nicht los, dass wir das Bewusstsein zu und mit der Natur zu leben, verloren haben.
Wie soll das auch möglich sein, ist doch der Fokus aus die neusten Mode oder der Klatschpresse gerichtet. Menschen die sich für die Natur ersetzen bzw. sich mit ihr beschäftigen, werden als „Ökis“ abgestempelt. Obwohl das für mich mittelweile eher als Kompliment gilt.
Ich versuche mich bewusst mit mir und meiner Umwelt auseinander zu setzen und herauszufinden, was ist mein Anteil am meiner Lebenswelt. Wie kann ich sie beeinflussen?  Wie möchte ich mit meiner Umgebung umgehen?
Um so glücklicher bin ich, dass ich nun ein Teil von diesem Bewusstsein zurück gefunden habe. Gerade beim kochen versuche ich, mein neues Wissen mit einfließen zu lassen. In den verschiedenen Salaten, Suppen und Gemüsepfannen versuche ich Farbenvielfalt und die Jahreszeit zu repräsentieren.
Foto_1[1]

Abendessen im bunter Vielfalt!

23 Nov

Pyramiden im Wald?

Nach einem wunderbaren Mittagessen, gingen wir gemeinsam mit Elisa auf die Suche nach den Pyramiden von Bassano. Elisa war selbst auch noch nicht da und so war es eher eine Schnitzeljagd.  Patatui folgte uns ganz aufgeregt. Der Welpe ist jetzt 2 Monate alt und seit 2 Wochen ein neues Mitglied der Familie.

DSCN2485

Nachdem wir uns mehrmals verlaufen hatten, rief Elisa eine Freundin an. Diese und zwei anderer Päarchen halfen uns den Weg zu finden.  Nach einem harten Abstieg sahen wir eine weite Fläche vor uns. Auf der linken Seite umrandet von Bäumen und von der rechten ein riesiger Felsen. Als wir ihn umrundeten, erstrahlte vor uns die Pyramide von Bassano.

DSCN2468 DSCN2470

Da es leider schon sehr dunkel geworden war, machten wir uns auf den Heimweg. Zuhause angekommen, beschlossen Elisa und ich noch schnell frisches Obst und Gemüse einkaufen zu gehen. Magdalena blieb auf der Farm. Sie ist 32 Jahre alt und kommt aus Polen und wir haben uns in den kurzen Tagen angefreundet. Doch es hat sich auch ein Verantwortlichkeitsgefühl mit eingeschlichen. Wenn ich mich entscheiden würde, die Farm vorzeitig zu verlassen, so wäre Magdalena alleine. Nun reise ich seit mehr als 5 Monaten durch das Land und treffe immer wieder neue Menschen bzw. Traveler. Alle von ihnen haben den Wunsch, dass sie auf ihrer Reise viele schöne Momente erleben und sich in den jeweiligen Orten wohl fühlen. Ist das mal nicht der Fall, dauert es eine ganze Weile einen neuen Platz zum arbeiten zu finden. Ich weiß, wie Elisa sein kann und wann ich lieber weghören sollte, aber es gab auch Besucher die weinen mussten, weil sie sich persönlich verletzt fühlten. Das kann ich auch gut nachvollziehen. Magdalena und ich genießen die Natur, das gute Essen und UNS. Wenn ich gehen würde, würde ich das mit einem schlechten Gewissen tun. Vorallem da es nur noch eine Woche ist, bevor meine Reise weiter nach Torino geht. Also werde ich die Zeit mit ihr hier genießen.

DSCN2462

Während der Fahrt mit dem Auto und des Einkaufs unterhielt ich mich mit Elisa und plötzlich passierte es, da war sie wieder. Die Frau die ich vor 1,5 Monate kennengelernt hatte. Mit ihrem Wunsch von Austausch, gegenseitigem Unterstützen und Teilen. Eine Frau die ein großes Herz hat und es nur in kurzen Momenten zeigt. Ich war glücklich, dass sie mich teilhaben ließ. Denn Zuhause angekommen, war die alte Elisa nicht mehr da.

22 Nov

Rom im Regen

Schon früh sitze ich in dem Zug nach Rom. Es regnet, aber mein Haar sitzt. Als ich in Termini ankomme warte ich auf meine Freundin bei der ich auch die Nacht verbringen werde. Doch sie kommt nicht. Was ist passiert? Nach einer Stunde ruft sie mich an, um herauszufinden wo ich bin. Es stellt sich raus das sie meine Nachricht garnicht gekommen hat. So mache ich mich auf durch die große Stadt und fahre zu ihr nach Hause. Dort angekommen gibt es auch eilig, was zum Mittagessen. Wie immer ist es köstlich!

Jäel habe ich auf der letzten Farm kennen- und schätzen gelernt. Sie ist 19 Jahre alt und kommt aus Holland. Ihr Freund lebt in Rom und so hat sie mich zu ihnen nach Hause eingeladen.

 

Voller Vorfreude machen wir uns auf in die Innerstadt. Auf den Weg dorthin fanden wir ein nettes Cafe in einer kleinen Gasse und da es immernoch regnete, beschlossen wir uns einen Espresso zu gönnen. Später sahen wir uns noch das Colloseum und die “ fontana di trevi“ an. Wobei wir auch gleich in der Nähe von besten Eisladen von Rom waren und ob es nun regnet oder schneit, dass  mussten wir probieren. 20151120_155437

Am Abend war Francesco (Jäels Freund) so nett und bereitete uns ein wunderbares Mahl zu. „Riso con gamberetti“ gefolgt von „Salmonella sulle patate“. Obwohl ich erst auf Sardinien wirklich begonnen hatte Fisch zu essen, war ich total begeistert. Zwar war es hart die Garnellen von ihrer Schalle zu befreien, aber es hat sich gelohnt.

20151120_214151 20151120_220605

Am nächsten Morgen holte ich Winnie vom Bahnhof ab. Ich habe sie auf der Farm in Orte kennengelernt. Nun hat sich Winnie entschlossen weiterzureisen und die Farm bei Elisa früher zu verlassen. Um so mehr habe ich mich gefreut mit ihr den letzten Tag in Rom zu verbringen. Leider war das Wetter immernoch miselrabel. Also trafen wir uns mit Jäel auf einen warmen Tee und nutzten die Zeit zum quatschen.

20151120_170140

19 Nov

Ein Land in Veränderung

Anderthalb Monate ist es nun her, dass ich die Farm in Orte verlassen habe. Nun kehre ich zurück an einen Ort wo Natur noch Natur sein darf. Doch das Land hat sich verändert. Nun legt ein morgendlicher dichter Nebel über der Farm. Die Zufahrt ist gepflastert mit bunten Blättern des Herbstes.
 DSCN2437

Die letzten Walnüsse fallen zu Boden und die Kälte zieht ein ins Haus. Im Inneren erwartet uns ein warmer Kamin. Trotz allem fällt es schwer sich früh morgens aus dem Bett zu kämpfen. Doch wer sollte sonst die Hühner, Hunde, Katzen und die Esel füttern?

 DSCN2433 DSCN2428
Als ich Orte verlies, ging ich mit einem glücklichen Gefühl. Zwar wusste ich nun über meine Allergien bescheid, was mich ein wenig traurig stimmte(denn Avocado und Bananen stellen auch auf der Liste), aber ich hatte einen wunderschönen Fleck Erde gefunden. Mir war zu diesem Zeitpunkt klar, dass ich zurück kommen wollte.
Elisa (die Besitzerin der Farm) kam mir etwas verrückt vor aber nett.
Ich glaube immer noch das Elisa eine nette Person ist, aber leider ist sie nun sehr gestresst und sucht einen Ablaufventil für ihre angestaute Wut. Leider sind das sehr oft wir.
Mir ist bewusst, dass Elisa ein schwieriges Leben hatte und vielleicht auch immer noch hat. Früh lernte sie ihren Mann kennen und heiratete  ihn auch sehr bald. Zusammen bekamen sie drei Kinder und kauften dieses wunderbare Anwesen. Sie selbst erzählt, dass sie in der Zeit mit ihrem Mann so viel zu lachen hatte. Doch während sie mit Cathi schwanger war, starb er bei einem Unfall. Von nun an lag all die Verantwortung auf ihrem Rücken. Für die Kinder, für das Haus und für das Geld, dass nur sie nach Hause bringen konnte.
Ich möchte mir nicht vorstellen, was das für eine schwierige und traurige Zeit gewesen sein musste.
DSCN2436
Doch ich merke heute noch ein wenig davon. Die Wut die sie damals übermannt hat und nun tief in ihrem „Sein“ wie ein Stein verharrt. Ich fühle, wie sehr sie sich um ihr Leben betrogen fühlt und das keiner ihr das zurückholen kann, was sie verloren hat.
Um nicht ganz die Kontrolle zu verlieren über ihr Leben und einen Rahmen für die Kinder zu bieten, hat sie Regeln aufgestellt bzw. erschaffen.
Doch nun nach 25 Jahren bevölkern all diese Regeln ihr Leben und macht es schwer offen für neues zu sein.
Viele Besucher stehen diesen Regeln und der Art wie Elisa sie einem näher bringen will, ratlos gegenüber. Denn eins steht fest, Elisa fällt es schwer die richtigen Worte bzw. Lautstärke zu finden. Verärgert sie etwas, kann es in Windeseile mal lauter werden. Sätze wie: „Hast du das immer noch nicht verstanden? Immer muss ich alles 1000 Mal sagen! So kannst du das nicht machen!“sind dann ihr natürlicher Gebrauch. Dabei dreht es sich meist um (aus meiner Sicht) Kleinigkeiten, wie keinen Metalllöffel für den Honig zu benutzen, das Öl nicht mit Seife auswaschen oder die runde Schüssel ist zu den eckigen geraten.
Bei all dem fällt es schwer, einen kühlen Kopf zu behalten. Vorallem wenn die Lautstarke als Machtinstrument verwendet wird.
Keiner hat das Recht mich anzuschreien, weil ich ein dreckigen Löffel auf eine Unterlage lege! Und mit allem Verständnis was ich für Elisa aufbringen kann, finde ich es nicht angemessen wie sie mit Menschen umgeht.  Denn sie selbst hat die Entscheidung darüber Leute (Workawayer) bei sich „Willkommen“ zu heißen.
Doch man sollte sich in Klaren sein, dass diese Personen einen nicht kennt und auch nicht die vorhandenen Hausregeln (von denen es sehr viele hier gibt).
Wwoofing oder Workaway kann einen andere Kulturen näher bringen und seine Sicht auf Dinge ändern, doch nur wenn man offen dafür ist.
Ich werde die nächsten zwei Tage in Rom verbringen und dann auf diese Farm zurückkehren. Meine Hoffnung ist nach meinem Rom-Trip ein wenig Zeit mit Elisa zu habe und vielleicht ein Stück von der alten wieder aufflackern sehe. Sollte das nicht der Fall sein, werde ich mir wohl was anderes suchen.
16 Nov

Olivenpressung

Ein Traum geht für mich in Erfüllung.
Heute ist der Tag der Ölpressung! Früh stehen wir auf, machen uns fertig, um so schnell wie möglich zum „Öl pressen“ zu kommen.
Als ich in die Fabrik eintrete, fällt mir gleich der wunderbare Geruch des Öles auf. Aber auch die Lautstärke ist nicht zu verdrängen. Zuerst kann ich nicht wahrnehmen woher das laute Geräusch kommt. Schritt für Schritt schau ich mir alles an und mache begeistert Fotos von den einzelnen Prozessen.
Nach einer Weile geht es an unser eigenes Olivenöl.
DSCN2348
DSCN2354
Dieses Jahr hat die Familie die Ölernte durch eine Firma machen lassen. Diese ist sozial engagiert, denn hier arbeiten Menschen mit sozialen schwierigen Hintergrund. Das bedeutet, dass Giordano nicht nur die Arbeitskraft eingespart sondern auch noch ein soziales Projekt fördert.
Von seiner Olivenernte erhält er 40 % als Eigenbedarf. Trotz allem rechnet sich das! Die Firma stellt Arbeitskräfte die die Oliven pflücken und zu der Pressung fahren. Gepflückt werden sie durch eine elektrische Gabel. Diese wird an den einzelnen Ästen angesetzt und durch schütteln fallen die einzelnen Oliven zu Boden, wo sie durch ein Netz aufgefangen werden.
Nun werden Sie ausgepresst.DSCN2382
DSCN2329
Durch einen Stapler-Fahrer werden sie in die erste Etage der Farbrik transportiert. Nun kann der Prozess beginnen. Die mit Oliven gefüllte Kiste wird in eine Hebelmaschine gestellt diese hievt die Oliven nach oben. Dort angekommen, purzeln Sie alle in einen Trichter.
DSCN2367
DSCN2321
Durch ein Loch im Boden fallen Sie auf ein Laufband, dass sie nach oben transportiert. Als nächstes gelangen Sie in eine Luftmaschine die die Oliven von den Ästen und Kleinteilen trennt.
Auf der Wasserstraße werden die Oliven noch mal gründlich geputzt.
DSCN2325
Der nächste Schritt ist das Zermörsern. Dafür werden die Oliven in eine metallische Zermahlmaschine transportiert. Nun wird mir klar, was sie eigentlich so laut ist. Durch die beiden metallischen Platten, wird das Fruchtfleisch von Kern getrennt.
Das Fruchtfleisch gelangt nun in eine Metall- Trommel.
DSCN2395
DSCN2314
Diese verfügt über ein großes Rad, dass die Masse an Olivenfruchtfleisch in Bewegung hält und somit immer mehr zerkleinert. Hier muss das Olivenöl 45 Minuten bearbeitet werden. Danach folgt eine zweite Spülung. Als letzten Schritt kommt die Trennung von Wasser und Öl. Das Öl wird in einen Kanister  über kleine Leitungen transportiert. Ist das Öl dort angekommen wird Wasser hinzugefügt so das das Öl weiter an die Oberfläche steigt. Nun wird das Öl in den letzten Kanister gefüllt, diesen darf man dann auch mit nach Hause nehmen.
In einem Kanister passen 5 l flüssiges Gold.
DSCN2412
DSCN2410
Doch woran erkennt man ein gutes Olivenöl? Zum einen ist ein frisch gepresstes Olivenöl leicht grün. Es verändert jedoch nach einigen Monaten seine Farbe zu einem sonnigem Gelb. Auch verändert es seinen Geschmack. Ist es nach der Pressung doch sehr scharf im Abgang, wird es nach einigen Monaten mild und cremig.
Früher wurden die Oliven noch mit Steinmühlen mühsam zu Olivenöl verarbeitet. Dabei hat es aber leider seinen typischen Geschmack oft verloren.
Deswegen bestehen die Mühemaschinen heute aus Metall. Und auch die Verarbeitung hat wesentlich länger gedauert. Dauert heute ein Durchgang circa 3 Stunden waren es vor 50 Jahren noch drei Tage.
DSCN2342
 DSCN2343
Doch letztes Jahr wurden die Olivenbäume von Giordano von Fliegen befallen, sodass er kaum Oliven hatte. Rein theoretisch hätte er sie einer Industrie Firma überlassen können. Pro Liter hätte er dann 0,50 € bekommen.
Doch was macht die Industriefabrik mit solchen Oliven?
In Industrie Firmen ist eine Oliven Pressung ganz anders aufgebaut. Hier werden Chemikalien dem natürlichen Prozess hinzugefügt, um die Oliven zusätzlich zu reinigen. Dabei gehen jedoch wichtige Vitamine verloren. Zum Schluss verfügt das Olivenöl meist nur noch über Fette.
Dieses findet man meistens bei Supermärkten für 3-4 Euro im Regal.
Wohingegen ein natürlich gepresstes Öl gut für das Herzkreislaufsystem ist, kann ein schlechtes industriell hergestelltes Öl der Gesundheit schaden. Durch meine Zeit in Italien habe ich festgestellt, dass es auf die Kleinigkeiten ankommt. Ich habe eine Leidenschaft für gutes Olivenöl entwickelt. Denn egal in welchem Essen oder zu welchem Salat ist Olivenöl mittlerweile immer ein I-Tüpfelchen.
Wer seinem Körper etwas Gutes tun möchte sollte zu gutem Öl greifen. Natürlich sind die Preise hierfür etwas anders. Aber ich muss sagen, es lohnt sich!
DSCN2338

Aus 100% Oliven wird 12- 19% Olivenöl gewonnen, dass bedeutet: aus 1 gefüllter Olivenbaum kann 2 Liter Öl gepresst werden

13 Nov

Agritourismus- Messe

Heute haben wir einen Ausflug auf eine Agritourismus-Messe gemacht.
Doch was ist das?
Agritourismus kann man übersetzen in : „Ferienwohnung oder -haus auf dem Land und in der Natur.“ Gerade in der Toskana und ihrer Umgebung hat sich dieses Konzept in den letzten 10 Jahren durchgesetzt.
Dabei steht der Gedanke das Gast und Gastgeber persönlich in Kontakt treten können, im Vordergrund. Agritourismus ist somit KEIN Massentourismus. Die Gäste erhalten einen persönlichen Einblick in die Landwirtschaft und das Anbau von Lebensmitteln oder Ernten.

Zuvor hatte ich mir sowas noch nicht angesehen. Deswegen wusste ich nicht, was es dort zu sehen geben würde. Zwar hatte ich eine Idee aber ich war zutiefst gespannt, was mich erwarten würde. Frühmorgens weckten wir die Kinder, aßen ein kurzes Frühstück und setzten uns dann ins Auto, um in das anderthalbstündige entfernte Arezzo zu fahren. Dort trafen sich alle Bauern der Region.

Als wir dort ankamen, stellte ich fest, dass auch Schulklassen diese Messen besuchen. Als wir reinging sah ich, dass viele Menschen ihren Honig, Salami und Produkte von ihrem eigenen Landgut verkauften. Aber es gab auch Stände für Camper, Wanderausrüstungen, Pools und deren Zubehör.
Mit Gemma und Giada machte ich mich auf den Weg, um auch für die kleinen Besucher etwas zu finden. Schnell wurden wir fündig. An einem Stand konnten Sie ein kleines Töpfchen mit Erde füllen, um ihren eigenen Salat dort einzubetten. Ganz stolz durfen sie ihr kleines Töpfchen dann in eine Tüte stellen und mit nach Hause nehmen. Im hinteren Teil der Messe gab es Tiere zum ansehen. Kleine Küken, Schafe und Kühe wurden dort zur Schau gestellt. In mir kam ein merkwürdiges Gefühl hoch. Zu klein waren die Gehege und die Tiere hatten kaum Platz. Doch für die kleinen Besucher war eine wunderbare Abwechslung.
DSCN2205
DSCN2210
DSCN2216
Später probierte ich mit Giada noch die verschiedenen Honigsorten aus, die es zum probieren gab. Von nussig zum Kaffeegeschmack, war alles vertreten.
DSCN2230
Fazit: Ich hatte mir von einer Agritourismus-Messe etwas anderes erwartet. Für mich stand der Tourist im Vordergrund. Mit der Frage: Wie kann ich mein „Bed- and- Breakfast“ für Touristen interessanter machen? Was kann ich für die Touristen anbieten? Doch bei Wanderschuhen und Co. ging es eher um die eigene Person.
Ich freute mich über die Vielfaltigkeit der Honigsorten und über die hauseigenen Produkte die vom Bauern stammten. Auch die unzähligen Bücher-Stände informierten die Besucher über Agrarwirtschaft.
Dieses Thema ist gerade in Italien sehr wichtig, denn seit einigen Jahren gibt es hier die „0-Km- Politik“. Das bedeutet, dass alle Produkte aus der unmittelbaren Umgebung bezogen werden. So entfällt der Transportweg, die Lebensmittel sind länger frisch und das eingesparte Geld (vom Transport) macht die Produkte günstiger. Also 3 Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Aber noch mehr spielt bei dieser Politik eine Rolle. Denn das Geld fließt in die eigene Wirtschaft und zu den Bauern, die ihre Produkte auf dem nahliegenden Wochenmarkt verkaufen. Ich finde diese Idee brillant und frage mich, warum sie nicht auch in Deutschland eingeführt wird. Da soll mal jemand sagen, die Italiener sind langsam!
Für mich ist das ein interessantes Thema womit ich mich gerne weiter beschäftigen möchte.

 

09 Nov

Ein roher Kuchen?

Seit einiger Zeit interessiere ich mich für das Thema Ernährung. Zum einen scheint es der Grund für meine Magenverstimmungen zu sein und wirkt sich auf mein Wohlbefinden aus. Sodass diese Thema immer interessanter für mich geworden ist. Im Laufe der Zeit hab ich mich mit vielen verschiedenen Ernährungsformen beschäftigt. Von der Paleo -Ernährung über die Ayurveda bis hin zur Traditionelle chinesischen Medizin(TCM, auch Fünf-Elementen-Ernährung genannt). Doch nun liegt mein Hauptaugenmerk auf der Ernährungsweise: Rohkost . Besonders interessant finde ich, dass es den Menschen am ähnlichsten ist. Wir selbst sind lebendige Lebewesen. Wir bestehen aus Energie und wollen diese auch in Form von Nahrungsmitteln zu uns nehmen. Der natürliche Weg, Rohkost, ist dabei besonders hervorragend. Schon seit unserer Kindheit ist Rohkost uns in die Wiege gelegt worden. Wir können uns noch gut daran erinnern, wie wir in eine saftige frisch geerntete Karotte gebissen und ihren leichten süßen Geschmack genossen haben. Oder uns schon auf die ersten Erdbeeren der eigenen Ernte gefreut haben. Doch bei den heutigen Fertigprodukten und Fast Food-Lebensmitteln, kommt man schnell in Versuchung seiner natürlichen Ernährungsweise zu widersprechen.

Doch auch bei der Rohkost gibt einige Regeln, an die man sich halten sollte. Da ein lebendiger Organismus bei 42 °C stirbt, darf auch bei der Rohkost das Gemüse und die Obstsorten nicht heißer als 42°C gekocht werden. Wird diese Temperatur überschritten sterben wichtige Vitamine ab.
In der letzten Zeit habe ich mich viel mit diesem Gebiet beschäftigt. Ich wollte herausfinden, ob Rohkost gleich ungenießbar und schwierig zu kombinieren ist. In meiner Vorstellung war ein gutes Essen, wenn es aus der Pfanne oder aus dem Ofen heiß und gut riechend kam. Doch wie sollte das jetzt möglich sein?
Nach vielen Recherchen habe ich ein Rezept gefunden von einem Rohkost-Kuchen. Mit meiner Farm- Mutter habe ich mich auf dem Weg in den nächsten Supermarkt gemacht. Datteln und Nüsse fanden den Weg in unseren Korb. Den Kürbis und die nötigen anderen Zutaten, besorgten wir aus unseren eigenen Garten. Nun ging es an den Mixer! Die einzelnen Zutaten für den Boden (Nüsse und Datteln) wurden geschreddert. Der Boden wurde in einer Auflaufform gedrückt. Nun folgte die Topping (Füllung). Ich hatte mich für einen Pumpkie Pie (Kürbis-Kuchen) entschieden, dass bedeutete das ich den Kürbis in kleine Stücke schneiden musste und gemeinsam mit anderen Zutaten zu einer cremigen Soße verarbeitete.
Nun wanderte unser Projekt (Rohkost: ein leckerer Kuchen?) in den Kühlschrank für die nächsten max. 6 Stunden- über die Nacht. Am nächsten Morgen fühlte ich mich wie ein kleines Kind. Voller Vorfreude zog ich mir schnell meine Socken an, um geschwind in die Küche zu gelangen, den Kühlschrank zu öffnen und nach meinem Kuchen zu schauen. Ein orangener Traum schaute mich an. Voller Vorfreude wartete ich auf die Mittagszeit. Wir hatten uns entschieden zum Mittagessen als Nachtisch den Kuchen zu servieren. Nun war es endlich soweit!
Der Kuchen ging ein wenig schwer aus der Form zu schneiden, doch auf dem Teller sah er wunderbar aus. Langsam ließ ich meinen Löffel durch die Kürbiscreme gleiten. Ein fruchtig süßer Geschmack breitet sich in meinem Mund aus. Als nächstes folgte der Nuss-Dattel-Boden. Ein erdiger Geschmack rundete das süßliche Vergnügen ab. Ich grinste über beide Wangen. Mein Experiment: „Rohkost“ war gelungen!
Ich hatte mir selbst bewiesen, dass auch eine Rohkost Kuchen ein Vergnügen aller Sinne sein kann. Und es hat mir einmal mehr gezeigt, dass diese Form ein neuer Weg der Ernährung sein kann. Auch wenn ich den üblichen gekochten und gebackenen nicht widerstehen möchte, möchte ich gerne in Zukunft rohe Lebensmittel mehr in meiner Ernährung miteinbeziehen. Denn Rohkost wird mächtig unterschätzt!!!
08 Nov

Sushi mal selbst gemacht

Momentan haben wir das Glück, dass wir einen Japaner zu Besuch haben und in einem Gespräch kristallierte sich heraus, dass er auch Sushi machen kann. Ich habe nie zuvor gezielt Sushi gegessen. Nur wenn es mal ein Rollchen zu probieren war. Doch dieses Mal wurde der Abend unter dem Motto: „Roher Fisch- Sushi selbst gemacht“ stehen. Ich bin ganz gespannt gewesen und war froh, dass ich helfen konnte.

DSCN2097

DSCN2098

DSCN2099

Der Reis ist genau richtig, wenn er ein wenig klebrig ist. So kann man ihn besser in die Form bringen. Ob nun zu Kugeln, Schiffchen oder Rollen geformt, er sieht einfach immer toll aus. Bei den Bällchen und Schiffchen kommt der frische roh Fisch einfach oben rauf, wohin gegen bei den Rollchen der Fisch mit dem Reis ummantelt wird. Danach werden die Rollen in dünnere Scheiben geschnitten und werden auf dem Teller drapiert.

DSCN2114

DSCN2126

Fazit: Sushi ist sehr interessant jedoch ist es momentan nicht mein Lieblingsessen. Doch ich bin froh, alles probiert zu haben und dieses neue Feld an Möglichkeiten zu haben. Ich möchte mich langsam an Fisch rantasten und es langfristig in meine Ernährungsweise integrieren.